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Hundetraining

Ich tanze meinen Namen

Australian Shepherd Mix

Es ist so weit, Kane ist kein Welpe mehr, sondern ein mehr oder minder pubertierender Junghund. Immer häufiger stellt er gerade den Rückruf in Frage und lässt sich in unserer Sozialisierungsstunde für Junghunde die Butter nicht mehr vom Brot nehmen.

Während ich das schreibe, sehe ich ihn im Garten sitzen, die Sonne genießen und den Geräuschen um uns lauschen. Und ich schaue zurück auf 3 Monate mit Kane und überlege, wie es für uns gelaufen ist.

Australian Shepherd Mix

Bevor Kane kam habe ich mir überlegt, was ich mit ihm machen möchte, wie sein erstes Jahr hier aussehen soll. Bisher kamen meine Hunde immer etwas älter zu mir und ich startete meist direkt mit Training. Auch bei Kane bot sich das an. Ich kenne viele, die bereits mit ihrem Welpen in kleinen Schritten trainierten und die nun tolle erwachsene Hunde haben.

Dennoch habe ich mich bewusst dagegen entschieden. Kane sollte anders aufwachsen, wenn man so will nach den Grundsätzen der Waldorf Pädagogik. 😉 Es gibt für ihn keinen Stundenplan, keinen Trainingsplan. Ich habe alles auf später verschoben und mich darauf konzentriert, ihm möglichst viel zu zeigen, ihn möglichst unterschiedliche Erfahrungen machen zu lassen. Er hat bisher schon eine Vielzahl unterschiedlicher Hunderassen, Tiere allgemein und ganz viele Menschen kennengelernt. Er war mit an ruhigen Orten und an Orten mit Action, wie Camp Canis. Er durfte schon an verschiedenen Orten wild toben und an anderen Orten sich in Ruhe und Geduld üben, wie unser Büro oder gelegentliche Cafébesuche. Er hatte schon Wald, Asphalt, Sand, Gitter und vieles mehr unter den Pfoten, ging über Brücken und durch Tunnel mit mir.

Australian Shepherd Mix

Grundlegend für die Art der „Ausbildung“ im ersten Jahr waren meine Überlegungen, was Kane denn mal sein soll, wenn er groß und stark ist. Und die Antwort darauf fiel mir recht leicht:

Kane soll mal ein souveräner Begleithund werden. Wenn er dann noch Lust auf Canicross hat und gerne mit uns wandern geht, freue ich mich richtig. Aber ich habe keine Lust auf Hundesport im Verein, ich habe keine Ambitionen ihn zum Trickhund aufzubauen und er wird auch kein Arbeitshund, der mal eine Herde Schafe zusammentreiben muss. Die Hauptanforderung an ihn ist also in möglichst vielen Situationen selbstsicher, gelassen und freundlich zu sein.

Daher entschied ich, dass das Leben Trainer sein sollte. Ich würde erstmal Nichts mit ihm üben, außer dem, was bei uns Grundlagen und Regeln des Zusammenlebens sind. Verstehe mich nicht falsch, ich liege nicht auf der faulen Haut und beachte meinen Hund nicht. 😉 Wir machen sehr viel zusammen. Entweder nur zu zweit oder mit Enki, der gerade als Begleithund noch viel Nachholbedarf hat. Und natürlich kommt Kane als angehender Begleiter auch um ein paar Übungseinheiten nicht rum. Sei es nun Impulskontrolle, Frustrationstoleranz, Ruhe oder Basics wie Sitz, Platz, Bleib. Aber es ist eben eine bewusste Reduktion auf diese Basics.

Manchmal fällt mir das schwer. Dann sehe ich, dass ein jüngerer Hund schon viel mehr kann und stelle mein Konzept in Frage. Ich weiß ja auch noch gar nicht, ob es so aufgeht, ob das wirklich ein guter Erziehungsplan ist oder ich mich in einem Jahr dafür verfluche.

Australian Shepherd Mix

Dann erinnere ich mich wieder an eine Reportage mit einem erfahrenen Schäfer. Dieser sagte, bis zu einem Jahr laufen seine Hunde einfach nur mit, lernen durch Beobachtung und Nachahmung. Erst mit einem Jahr fängt er an mit ihnen zu arbeiten. Er sagte, vorher mache das keinen Sinn, es seien ja noch Kinder. Das klang in meinen Ohren so logisch, so weise. Und ich versuche das auf den Job „Begleiten“ zu übertragen und denke doch wieder, dass wir auf einem guten Weg sind.

Bisher kann ich sagen, dass Kane es genießt mit uns unterwegs zu sein. Dass er gut auch in etwas unruhigeren Umgebungen zur Ruhe kommt. Dass ihm nichts wirklich Angst macht und er unglaublich neugierig auf die Welt ist. Und der Mensch oder Hund, den er nicht mag, haben wir bisher noch nicht getroffen.

Und ich schaue von meinem Laptop hoch. Eine Stunde später und Kane sitzt immer noch im Garten in der Sonne. Er hat einen Schmetterling entdeckt und folgt ihm ganz still mit dem Blick. Groß ist er geworden, mein Kleinteil. Er sieht zufrieden und glücklich aus. Ich werde mich gleich dazu setzen und danach werden wir noch eine Runde im Garten toben. Hundetraining kann warten, wir haben Wichtigeres zu tun.

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Bloggerin mit einem Faible für Fotographie.

2 Comments

  • Isabella
    29. April 2019 at 12:24

    Ich muss zugeben, ich kann Dich gut verstehen. Wir hatten ja schon mehrfach junge Hunde und haben verschiedene Herangehensweisen gelebt. Dingo war fünf Monate als er einzog – da gab es eigentlich nur „Grundprogramm“. Bei Lady haben wir schon im Welpenalter deutlich mehr probiert … und dann wieder damit aufgehört, weil wir gemerkt haben, sie ist nicht der Typ für einen Trickhund 🙂 Mit Damon habe ich sehr viel gemacht – aber auch, weil er es wollte. Laika hat auch einfach nur mit uns gelebt, sie hat fast nichts lernen müssen (sie war aber auch so ein toller Begleithund). Cara hat früh auch nur die Grundregeln lernen müssen – und bei Shadow ist Hopfen und Malz verloren 🙂
    Ich finde es wichtig, dass man seine Erziehung an das anpasst, was einem selbst wichtig ist und was auch für den Hund mit Spaß zu leisten ist … denn das Leben ist wirklich wichtiger als reine Erziehung.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

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  • Torsten
    8. Mai 2019 at 19:36

    Wir haben bei unserer Golden-Retriever-Dame auch wert darauf gelegt, die grundsätzliche Erziehung früh durchzuziehen und ansonsten aber zu schauen, dass unsere Fellnase ein entspanntes und der Neugier entspringendes Programm mitzugeben. Viel Spaß bei eurem Wichtigeren! 🙂

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