Aus unserem AlltagBlogparade

Der Codex Lunatica

Codex-Lunaticus-Titel

Shiva hat ihre Gesetze kundgetan und uns aufgerufen, ebenfalls die Gesetze unserer Hunde zu veröffentlichen, damit die armen Fellnasen endlich eine gemeinsame Lobby zur Durchsetzung dieser gründen können.
Enki hat nicht so viele grundlegende Regeln, auf deren Einhaltung er pocht. Er ist ein kleiner Hippie, der von Luft und Liebe lebt und durch den Tag schwebt. Hauptsache seine Grundbedürfnisse wie Futter, Auslauf und genug Spielis sind befriedigt.

Selbst wann das Ganze geschieht, ist ihm relativ egal. Er scheint die innere Gewissheit zu haben, dass die nächste Mahlzeit, der nächste Spaziergang schon kommen wird. Gerade nach langen Spaziergängen muss ich ihn zum Abendbrot sogar manchmal wecken.

Bei Luna jedoch ist das ganz anders. Es gibt Regeln, es gibt Gesetze, es gibt Rituale und mit nichts davon pfuscht man rum. Das muss immer schön alles so ablaufen, wie die Prinzessin das wünscht.

Essenszeiten sind zwingend einzuhalten

Luna frühstückt um 8:00 Uhr s. t. und Abendessen gibt es um 19:00 Uhr s. t. Wie bei einem guten norddeutschen Bauern darf von diesen Zeiten nicht abgewichen werden. Keine Sekunde!
Um meine Unfähigkeit im Zeitmanagement zu kompensieren, beginnt sie 30 Minuten vor der Fütterungszeit mit der Erinnerung an eben jene. Die Erinnerungen nehmen in Frequenz und Intensität kontinuierlich zu.
Sollte ich dennoch nicht rechtzeitig das Essen im Napf haben, wird sie ungehalten und straft mit harter Hand ab. Sie ist keine Anhängerin der Erziehung durch positive Verstärkung. Ihrer Erfahrung nach lernen Zweibeiner nur, wenn es auch weh tut.

Bild von Tim | vollerbilder.de

Der Kater darf nicht zuerst bekommen

Die Reihenfolge ist auch ganz wichtig. Sie ist immer genau so einzuhalten. Erst werden die Näpfe vor Enki und sie gestellt. Da beide erst gleichzeitig an den Napf dürfen, bekommt Enki zuerst, damit ihre Sitzzeit vor dem Napf die kürzeste ist. Danach bekommt Paula und erst dann der Kater. Da der Kater langsam frisst und auch häufig seinen Napf nicht zur Gänze leert, muss unbedingt sicher gestellt werden, dass sie die erste Chance auf Katzenfutterreste hat.
Enki frisst langsam und vor Paula hat sie ein paar Sekunden Zeitvorsprung.
Wenn nun der Kater zuerst bekommt, hat er länger Ruhe zum Fressen, keiner starrt über seine Schulter in den Napf. Dementsprechend frisst er mehr. Und das gilt es um jeden Preis zu verhindern.
Daher: DER KATER BEKOMMT ALS LETZTER! – Lerne es endlich, Frauchen!

Der Kater darf nicht auf der Arbeitsplatte laufen

Da Luna gerne mal nach dem Kater schnappt, darf er seit ihrem Einzug mehr als früher. Zum Beispiel darf er auf der Arbeitsplatte unterwegs sein, so lange er sich mir bei der Essenzubereitung nicht auf Armlänge nähert.
Für Luna ist das aber absolut nicht akzeptabel. Allein seine Anwesenheit auf der Arbeitsplatte und in der Nähe der gut riechenden Leckereien ist schon schwer zu ertragen. Aber jede Bewegung wird mit Argusaugen überwacht und mit einem Schnappen in die Luft kommentiert.
Wenn hier einer Beutezüge unternimmt, dann Luna. Nicht der doofe Kater.

Bild von Tim | vollerbilder.de

Bei Spaziergängen muss der richtige erste Busch für Markierungen angelaufen werden

Luna ist ja eine erfahrene Rüdin und markiert draußen auf Deubel komm raus. Natürlich im Dreibeinstand. Extrem wichtig ist dabei ein bestimmter Busch auf den Weg in den Wald.
Wenn ich tatsächlich mal in die andere Himmelrichtung starten möchte, fängt Luna an zu quengeln, zu fiepen und zieht in die Gegenrichtung. Wenn wir dann an ihrem Busch angekommen sind und sie markieren konnte, dreht sie um und wir dürfen gerne in die ursprüngliche Richtung laufen.

Vor Spaziergängen ist Regen abzuschalten

Luna liebt Wasser! Aber bitte nur von unten. Die seltenen Besuche der Badewanne sind schon schlimm. Aber nichts übertrifft den Regen. Sollte es tatsächlich regnen, zieht sie den Kopf ein und die Augen zusammen. Vorwärts kommen wir nur noch im Schneckentempo, jede Pfote wird bewusst gesetzt, um nicht in eine frische Pfütze zu geraten (abgestandene Pfützen bei klarem Himmel sind hingegen perfekt). Und an jeder Ecke dreht sie um und versucht, uns wieder nach Hause zuziehen.
Zuhause angekommen bleibt sie solange stehen, bis das Microfaserhandtuch zum Einsatz kam und sie in ihren Bademantel gehüllt wurde. Dann rollt sie sich auf der Couch ein und schaut mich immer wieder vorwurfsvoll an, als hätte ich das Wetter nur für sie bestellt.

Abends muss ein Stofftier zur freien Verfügung stehen

Jeden Abend wenn ich sage „Lass uns mal zu Bett gehen“ läuft Luna los und holt sich ein Stofftier aus der Kiste. Das wird dann die Treppe hoch ins Schlafzimmer getragen, vor dem Bett fallen gelassen und sofort wieder vergessen. Sie spielt nicht damit, sie schmust nicht mit dem Tier. Es wird einzig und allein die Treppe hoch getragen. Runtertragen darf ich dann übernehmen.
Nun gibt es diese Abende, an denen Enki die ganze Kiste ausgeräumt hat. Oder die, an denen kaum etwas da ist, weil ich die ganzen Spielis aus dem Schlafzimmer nicht runter getragen habe.
Diese Abende sind schlimm. Entsetzt schaut sie in die Kiste und läuft dann orientierungslos durch Wohn- und Esszimmer. Wenn ich ihr einen Ersatz anbiete, registriert sie es gar nicht. Ich muss das Spieli in die Kiste legen, damit sie es rausnehmen kann. Erleichtert schnauft sie dann, nimmt es und trägt es nach oben. Goldene Regel: Niemals darf die Kiste leer sein!

Bild von Tim | vollerbilder.de

Schlafenszeit ist um 22:00 Uhr

Luna braucht ihren Schönheitsschlaf. Und der beginnt jeden Abend um 22 Uhr. Nun können ja andere Hunde auch im Wohnzimmer schlafen. Nicht jedoch Luna. Sie liegt da und döst vor sich hin. Richtigen Schlaf findet sie jedoch erst im Schlafzimmer. Ich vermute, dass sie die Geräuschkulissen nicht ausblenden kann. Ab 22 Uhr hebt sie jedes Mal den Kopf, wenn ich irgendetwas sage. Es könnte ja das Wort Bett vorkommen. Ab 23 Uhr dann läuft sie immer wieder Richtung Treppe und fängt an zu fiepen. Sollte der Abend bei mir mal später werden, geht sie doch endlich allein nach oben. Aber nur unter Protest und spätestens zwei Stunden später (also so um 1 Uhr) kommt sie dann wieder runter und schaut, wo ich bleibe.

Zecken sind umgehend zu entfernen

Dazu gibt es eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Diese Regel ist ihr so immens wichtig, dass ich darüber schon einen gesamten Beitrag geschrieben habe. Luna hat nämlich eine manifeste Zeckenphobie.

Bäh, mach das weg!

Fotografien müssen angemessen entlohnt werden

Im Gegensatz zu Enki ist Luna der geborene Fotografenhund. Sie hält still und wartet, bis ich die richtigen Einstellungen an der Kamera habe und alle Fotos im Kasten. Gerne rutscht sie auch ein Stückchen weiter nach links oder rechts, hebt oder senkt das Köpfchen und bietet verschiedene Positionen an. Aber wehe, die Bezahlung ist nicht angemessen. Sofort nach dem Foto oder den Fotos, also wenn ich die Kamera vom Auge weg senke, hat es Leckerchen zu geben. Und bitte kein schnödes Trockenfutter. Dann fängt sie eigenmächtig an, meine Taschen zu durchsuchen.
Einmal habe ich Enki im Garten fotografiert. Luna war dabei, stand aber nicht im Fokus. Ich weiß nicht, was sie hinter oder neben mir so alles angeboten hat. Offen gestanden habe ich sie sogar vergessen. Bis sie vehement auf Bezahlung aufmerksam machte, weil sie mich immer wieder, wenn ich auf den Auslöser drückte, von hinten oder der Seite ansprang und mit der Zunge zwischen Auge und Kamera schnellte. Als ich sie entnervt ansah, spulte sie in schneller Reihenfolge drei Tricks ab (Dreh Dich, Männchen und Platz) und schaute mich aus dem Platz erwartungsvoll an. „Jetzt Leckerchen?“

Bild von Tim | vollerbilder.de

Bälle und Frisbees sind so zu werfen, dass Enki nicht dran kommt

Luna hat Enki so gut trainiert, dass er inzwischen schneller und geschickter im Fangen ist als sie. Nur hohe Sprünge mit gleichzeitigem Fangen bekommt er noch nicht hin. Wenn wir also mit Spielis, Bällen oder Frisbees im Garten spielen, geht sie meist leer aus. Nach zwei bis drei Würfen wird ihre Laune so schlecht, dass sie Enki gerne auch mal in den Hintern beißt.
Wenn ich mit Ansage ihres Namens jedoch konsequent jeden zweiten Wurf so mache, dass nur sie dran kommt, dann lächelt die Dame weiterhin und spielt zufrieden mit uns. Leider klappt das nicht immer so, denn ich bin nicht gerade die beste Werferin.

Ich bin mir ganz sicher, dass Luna diese Liste gerne noch fortführen würde. Da ihr zu ihrem Leidwesen jedoch die opponierbaren Daumen fehlen und sie nicht eigenständig Tippen kann, beende ich das Ganze hier.
Wie ist das bei Dir? Hat dein Hund auch Gesetze, die eingehalten werden sollen?
Dann mach mit bei Shivas Blogparade unter dem Hashtag #shivasgesetze

Die Fotos stammen alle noch mal von dem großartigen Tim von Vollerbilder.de

Stephie
written by: Stephie

11 Comments

  • Herrlich! Lachtränen aus den Augen wische. Luna ist ja echt eine ganz spezielle Dame. Sie besteht auf ihre Rituale und wehe wenn nicht! Der arme Enki muss da manchmal ganz schön was aushalten, vom Frauchen ganz zu schweigen. Aber irgendwie… man liest das Augenzwinkern durch. Offenbar startet sie dann immer mal die Charmeoffensive, dass ihr diese Eigenheiten gerne verziehen werden.

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva

    • Oh ja, Charmeoffensive kann sie perfekt! Sie wuselt sich so schnell und tief ins Herz, dass man die Welt freiwillig in die von ihr gewünschte Richtung drehen möchte. 😀

  • Das kann ich voll und ganz unterschreiben. Ersetzt man „Kater“ durch „Kalle“ und „Arbeitsplatte“ durch „Sofa“, könnten das genau meine Regeln sein. Besonders die Essenszeiten sind ja extrem wichtig. Um deren Einhaltung sicherzustellen, bin ich zur Expertin im Starren und Winseln geworden. Gemeinerweise gibt es bei uns seit Kalle keine Stofftiere mehr zur freien Verfügung. Der Dummkopf frisst die auf. Und vom Ballspielen mit Kalle bekomme ich auch schlechte Laune. Er ist doch tatsächlich schneller als ich. Ich werde dann so ungehalten, dass Frauchen nur noch einzeln mit uns spielt…
    Herzliche Grüße,
    Mia

  • Ganz schön viele Regeln musst Du da beachten. 😀 Aileen ist da eher wie Enki. Die nimmt das meiste recht gelassen und ist froh, wenn sie bekommt was sie braucht, wann ist nicht so wichtig.
    Sie gewöhnt sich zwar schnell an gewisse Zeiten, wenns aber mal anders ist, ist das eben so.
    Um Regeln und Gesetze von ihr zu finden muss ich ein bisschen länger überlegen… 😀

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