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Physiotherapie für den Hund – Übungen für Zuhause

Physiotherapie Zuhause

Anfang Januar – kurz nach Erscheinen – habe ich meinen Hunden und mir das Buch von Doggy Fitness gegönnt. Es heißt „Fit Durchs Leben“ und Martina hat 25 Übungen zusammengetragen, die Deinen Hund gesund und beweglich halten. Gedacht waren die Übungen für Luna und Enki. Aber als ich damit anfing, stand auf einmal auch Paula neben uns und wollte mitmachen.

Bevor ich nun von den Übungen berichte möchte ich Dir ein kleines Paula-Update geben. Wenn Dich das zu traurig macht, spring gerne einfach zur nächsten Überschrift. Da geht es mit dem tollen Buch weiter.

Life Lately – Altwerden ist nichts für Feiglinge

Paula geht es in letzter Zeit immer schlechter. Egal was sie frisst, sie nimmt kontinuierlich ab. Wir befürchten inzwischen, dass da vielleicht noch ein Tumor zehrt. Wenn sie mit raus kommt, wankt sie durch den Garten und steht unsicher auf ihren Pfoten. Sie verschwindet immer mehr in ihrer eigenen Welt und zeigt kaum noch normales Sozialverhalten. Die anderen beiden ignoriert sie. Das geht so weit, dass sie trottelig versucht, sich vor Enki durch die Tür zu quetschen, als sei er gar nicht da. Oder sie wankt todesmutig zu Lunas Futternapf und will ihren Kopf mit reinhängen. Wenn ich nicht schnell genug dazwischen springe gibt es sofort Streit und die beiden Chaoten attackieren sie. Leider scheint das gar nicht so selten zu sein, wenn Hunde altern.

Instinktiv scheinen die beiden sie nur noch als Ballast wahrzunehmen und Hunde teilen nun mal nicht unsere ethischen und moralischen Vorstellungen. Da wir aber ungern zu einer verletzten Paula nach Hause kommen möchten, müssen wir in letzter Zeit viel Management betreiben, bevor wir zur Arbeit können. Enki und Luna kommen ins Esszimmer, Paula in den Flur, der Kater bleibt in der Küche. Da ihm Paula jetzt jedoch den Weg zum Katzenklo versperrt, muss auch noch das Klo in die Küche umplatziert werden. Morgendliches Tier-Tetris, da natürlich keiner von ihnen freiwillig dahin geht, wo er hin soll.

Auch die Kontrolle über Stuhl und Urin ist endgültig vorbei. Paula merkt es noch nicht mal mehr und schläft manchmal einfach in ihrem eigenen Pipi weiter. Haufen entfernen, wischen, Hund sauber machen, das haben wir inzwischen mehrmals täglich und eine gewisse Routine entwickelt.

Traurig macht uns jedoch, dass Paula in ihrer Senilität nicht mehr reagiert wie früher. Wenn wir sie rufen, läuft sie vor uns weg. Wenn wir auf sie zugehen, fängt sie an zu quiecken, wie ein angestochenes Schwein und duckt sich weg. Wir haben sie nie geschlagen, ihr nie Schlechtes entgegen gebracht. Daher verletzen uns ihre Reaktionen häufig, egal wie sehr wir uns sagen, dass es nichts mit uns zu tun hat, sondern der Senilität geschuldet ist. Ich kenne so etwas von meiner Oma die Alzheimer hatte. Und sie macht es auch nicht gezielt, bei nur einem von uns, sondern immer und bei jedem. Trotzdem tut dieser Verlust ihres Vertrauens weh.

 

Da es Paula auch körperlich so schlecht geht, dass alles schwer fällt, haben wir von ihr nichts mehr verlangt. Wo die anderen sitzen müssen, um ein Leckerchen zu bekommen, bekam sie es einfach so. Wir dachten uns, dass sie es sich verdient hat, nur noch verwöhnt zu werden.
Ein Denkfehler, von dem ich gar nicht weiß, wie wir darauf gekommen sind.
Wie oben schon geschrieben kam Paula an, als ich mit den andern beiden Übungen von Doggy-Fitness machte. Sie wollte auch. Ich habe die Übungen noch mal etwas vereinfacht und auch von Paula zum Beispiel Pfote geben oder Sitz-Platz-Wechsel gefordert. Es geht zwar alles nicht flüssig, aber sie macht mit. Und in diesen Momenten leuchten ihre Augen wieder. Kurzzeitig ist die alte Paula zurück. Auch draußen macht sich bemerkbar, dass sie durch die Übungen etwas beweglicher wird.

Wenn Du einen alten Hund hast, lerne von uns. Höre nicht auf, ihn (körperlich angemessen und angepasst) arbeiten zu lassen. Was wir als „Verwöhnen“ gedacht haben, hat sie ein Stück Lebensinhalt gekostet.

Fit durchs Leben

Das Buch ist in drei Blöcke mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden unterteilt. Die Übungen im Buch sind super erklärt und werden durch schöne Fotos ergänzt, sodass schnell klar ist, worauf es ankommt. Besonders gut hat mir gefallen, dass Martina bei jeder Übung erklärt, welche Muskelgruppen trainiert werden. Im Prinzip könnte man seinen Hunden aus den Übungen einen schönen Trainingsplan zusammenstellen. Am Anfang gibt sie noch einen kurzen und guten Überblick, warum Fitnesstraining für den Hund wichtig ist, was noch dazu gehört (Stichwort Gewicht) und erklärt anschaulich die anatomischen Grundlagen. Passend gibt es auch eine Facebookgruppe, in der man Fragen stellen und von seinen Erlebnissen berichten kann.

Ich habe erstmal alles gelesen und mich dann dafür entschieden, einfach mit den ersten drei Übungen zu beginnen. Da ich eine allgemeine Fitness wollte und bei vielen Übungen nicht sicher war, ob der Dickmops das schon so hinbekommt, dachte ich mir, am Anfang beginnen ist immer eine gute Idee.

Die erste Übung – Say Hello – ist im Sitz den Hund abwechselnd die Pfote geben zu lassen. Und das Ganze so bewusst und langsam wie möglich. Da bekommen wir gerade bei Luna schon Schwierigkeiten, da sie im Arbeitsmodus den Hyperraumantrieb zuschaltet. Bei Paula halte ich die Pfote noch etwas in der Hand, dehne dabei und bewege die Zehen langsam gegeneinander. Je nach Hund wiederhole ich das 3-5 Mal pro Pfote.

Die zweite Übung – Back Down – ist ein Wechsel vom Steh ins Sitz und wieder ins Steh. Hier schafft Luna es auch mal bewusst und langsam. Dafür möchte Enki immer ins „Sprung-Sitz“, ist er doch so begeistert, dass er bei Sitz zuverlässig weiß, was ich von ihm möchte. Paula hingegen muss sich nicht mehr ganz setzen. Sie senkt den Poschi etwas ab und kommt dann wieder hoch. Das ist für sie absolut ausreichend. Das machen wir je nach Hund 3-10 Mal. Die geringste Anzahl ist bei uns übrigens immer Paula, Luna hat die höchste Anzahl und Enki liegt dazwischen. Eigentlich soll er Übungen genauso oft machen wie Luna. Wenn aber die Hüfte belastet wird, fordere ich weniger Wiederholungen von ihm.

Die dritte Übung – Mighty Paw – ist ein langsamer Wechsel vom Sitz ins Platz und zurück. Für Luna und Enki ist es anstrengend, aus dem Platz wieder ins Sitz zu kommen. Ich merke, wie sie das überfordert und sie aus dem Platz automatisch ins Steh gehen. Aber wir üben fleißig. Paula lasse ich einfach nur erst Sitz und dann Platz machen, massiere etwas die Wirbelsäule und warte, bis sie von allein wieder hochkommt. Das Sitz beim Hochkommen lassen wir aus. Diese Übungen machen sie drei bis sieben Mal.

Nachdem wir diese Übungen zwei Wochen lang so alle zwei bis drei Tage gemacht haben, habe ich mir die nächsten drei Übungen vorgenommen. Enki durfte zusätzlich noch Mighty Paw wiederholen, da er gerade begann zu verstehen, dass man aus dem Platz ohne Zwischenschritt Steh auch wieder ins Sitz kann.

Den Hunden macht es unglaublich viel Spaß. Sie sind sofort dabei und motiviert. Und das Beste, auch die Beziehung zwischen Paula und mir wird wieder ein wenig besser. Es ist, als würden die Übungen den Vorhang zwischen ihrer und unserer Welt etwas heben. In der letzten Zeit liegt sie sogar wieder öfter mit uns im Wohnzimmer, sucht Nähe und verzieht sich nicht nur auf ihren Lieblingsplatz im Nebenzimmer.

Von mir gibt es also eine ganz klare Kaufempfehlung für das Buch und eine Leseempfehlung für den gesamten Blog inklusive Newsletter und Facebookgruppe.

Und nein, weder für mich noch für die Hunde gab es irgendetwas kostenlos. Bestochen wurden wir nur durch die Einfachheit der Übungen und die Freude, die es uns allen macht.

Stichworte : FitnessübungenPhysiotherapie
Stephanie Rose

Die Autorin Stephanie Rose

Bloggerin mit einem Faible für Fotographie.

4 Kommentare

  1. Vielleicht hat Paula Alzheimer, das gibt es bei Hunden ja auch. Mein Tierarzt empfiehlt in solchen Fällen Omega 3 Kapseln, die sind anscheinend vorbeugend gegen Alzheimer. Ich hatte sie Jago, dem Schäferhund bis zum Schluss gegeben.
    Wünsche Paula von Herzen alles Gute und euch viele Momente der Nähe !

    1. Ja, auf alle Fälle ist sie senil. Sie hatte im Sommer drei Schlaganfälle und seit dem ist in ihrem Hirn alles nicht mehr so, wie es war. Omega 3 bekommen meine im Rahmen des Futters sowieso, Paula auch höher dosiert. Und B-Vitamine. Das hat zumindest direkt nach den Anfällen ihre Koordination wieder etwas verbessert.
      Ich danke Dir und hoffe für uns auch auf noch einige schöne Momente.

  2. Ich habe uns ein ähnliches Buch gekauft – Fit mit Hund. Ich muss mich erst ein wenig einlesen und dann geht es los. Zu meiner Freude konnte ich feststellen, dass wir schon viele der Übungen im alltäglichen Tricksen verwenden 🙂

    1. Das ist toll. Luna kann als Trick auch schon viele der Übungen (Enki ist da eher der Grundschüler und Paula die Sonderschülerin). Aber diese Übungen mit Fokus auf Langsamkeit, Wiederholungen und Muskeltraining zu machen ist auch für Luna noch mal eine andere Dimension. Fit mit Hund schaue ich mir auch mal an. Aus der Kategorie kann hier gerne noch mehr einziehen. 😃

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