Hundeleben

My Heart, my Soul, my Everything

November 3, 2017

Enki ist traurig. Und ich bin verzweifelt.

Normalerweise ist Enki ein fröhlicher Hund, der um mich rum wuselt und mit Luna tobt. Fressen ist die beste Zeit des Tages, ach nee, mit dem Ball spielen. Oder doch der Spaziergang? Nein, Kuscheln auf der Couch ist die beste Zeit. Manch einer hat ihm schon spaßeshalber ADHS diagnostiziert, weil er sich mit Begeisterung auf und in alles stürzt. Seien es die kleinen Alltäglichkeiten oder neue Abenteuer.

Aber manchmal ist mein Hund anders. Manchmal ist der lebendige Wirbelwind verschwunden und zurück bleibt ein kleiner melancholischer Drops. Die Ohren hängen, der Schwanz wird passend zur Stimmung auf Halbmast getragen. Er fordert Nähe ein, will auf den Schoß und weicht mir kaum von der Seite. Ich nenne das seine slawischen Momente, wenn in seinem Kopf nur traurig-melancholische russische Komponisten gespielt werden.

Seit zwei Wochen sind es keine Momente, sondern Enki ist fast ausnahmslos so. Kaum ein Lächeln, kein Toben mit Luna und selbst beim Spaziergang geht er brav bei Fuß. Manch einer würde sich freuen, aber das ist nicht mein Hund!

Was ist passiert?

Ich weiß es nicht. Vor zwei Wochen waren wir bei einem Seminar, die Hunde beide Tage dabei. Wartezeiten im Auto waren immer wieder unterbrochen von Spaziergängen und Spaß. Abends sind beide Hunde kaputt eingeschlafen und wir hatten das Gefühl, dass Enki und Luna noch ein Stück weiter zusammengewachsen sind, wenn das überhaupt möglich war.
Am Montag dann der Tag, an dem wir Paula gehen lassen mussten. Ich hatte jedoch nicht das Gefühl, dass es ihn großartig bewegt hat. Er wirkte ganz normal, als sei nichts passiert.

Dann jedoch ging es los. Jeden Tag etwas mehr. Er wurde grummelig, knurrte Luna an. Das hat sich so aufgeschaukelt, dass wir letzten Samstag den ersten richtig großen Streit zwischen den beiden hatten. Inklusive Zähnen in meiner Hand, weil ich dazwischen ging. Stein des Anstoßes war ihr Futter, das ich zubereiten wollte. Nach fast 1,5 Jahren ohne Probleme war nun plötzlich Futter als Ressource ein Thema.

Seitdem geht Luna ihm aus dem Weg und er zieht sich weitestgehend zurück. Tag für Tag wird er ruhiger, trauriger, grummeliger. Wir haben ihn genau beobachtet und untersucht – es scheint nichts Körperliches zu sein. Trotzdem steht natürlich noch ein großer Check-Up an.

Mein Gefühl sagt jedoch, dass wir auch da nicht fündig werden. Dass er gerade eine zutiefst melancholische Phase hat. Ob ihn Paulas Tod doch mehr mitgenommen hat, als es zuerst schien? Oder ob es einfach die Zeit ist? Ich meine mich zu erinnern, dass er im letzten Jahr schon mal so eine längere Phase hatte.

Was auch immer es ist, mein Herz bricht, wenn der Drops ankommt und versucht auf den Schoß zu krabbeln. Wenn Luna mit ihm spielen will und er ihr aus dem Weg geht. Wenn er langsam angeschlurft kommt, weil ich ihn zum Spaziergang gerufen habe. Könnte ich wie ich wollte, würde ich ihn einpacken und mit ihm quer durch die halbe Republik zu Dreipunktecharlie fahren. Das wäre vielleicht die richtige Therapie für ihn.

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  1. Es tut mir sehr leid, dass Enki so melancholisch ist.. aber ich glaube, unsere Hunde sind viel sensibler als wir vielleicht denken.
    Vor vier Jahren mussten wir unsere bzw. Mamas Malteserhündin gehen lassen. Im Haus lebten noch ein Dackel-Mix und ein Yorkshire Terrier.
    Der Dackelmix war zwei Jahre älter als unser Malteser, immer topfit trotz der 15 Jahre. Aber nur zwei Tage nachdem unsere Malteserhündin ging, mussten wir uns auch von Annabell, dem Dackelmix verabschieden. Zurück blieb der Yorkie, der einfach nicht mehr fressen wollte. Jeden Tag saß ich bei ihm am Napf und hab ihn mit dem Löffel gefüttert, sodass wenigstens das nötigste in seinem Magen landete. Die nächsten Wochen kam er überallhin mit, bis sich sein Zustand langsam aber sicher besserte.

    Mittlerweile ist er 9 Jahre alt und grummelig wie eh und je, kommentiert alles und will auch immer jedes Leckerli abstauben. Ich glaube also ganz fest daran, dass das wieder wird und Enki vielleicht einfach seine Zeit braucht. Sammy, dem Yorki, hat man es erst auch nicht angesehen, aber er wurde dann abrupt ruhiger und zog sich stark zurück. Aber nach ein paar Wochen wurde es Stück für Stück besser. Ich hoffe, dass es wirklich nichts medizinisches ist und er einfach „nur“ trauert.

    Liebe Grüße,

    Doxa mit Hayley und Darida

    1. Liebe Doxa,
      ich danke Dir für deine Worte.
      Ich habe wirklich nicht gedacht, dass Paula tatsächlich das Leben der anderen beiden noch so beeinflusst, da sie kaum nach am Leben teilnahm und in ihrer Welt lebte. Und das sogar wortwörtlich, da sie am senil war.
      Aber zeitlich ist das eigentlich die einzig schlüssige Ursache.
      Ich hoffe, dass beide bald ihren neuen Platz gefunden haben und wir mit Fröhlichkeit in die Weihnachtszeit gehen können.
      Herzliche Grüße
      Stephie

  2. Das tut mir leid zu lesen. Es ist natürlich eine große Veränderung, nicht nur das abrupte Fehlen des Wesens Paula, sondern auch die ganze Dynamik im Rudel verändert sich. Wir schicken euch liebe Grüße und hoffen, dass er bald wieder der alte ist.

    1. Ihr Lieben,
      vielen Dank für eure Anteilnahme. Ich hoffe auch sehr, dass sie bald wieder festen Boden unter den Pfoten haben und werde nachher mal den Bachblüten-Hokuspokus zücken.
      Herzliche Grüße
      Stephie

  3. Liebe Stephie,
    mir tut es auch sehr Leid, dass Enki so slawisch und anders drauf ist. Ich drücke ganz fest die Daumen, dass es wirklich nur eine Phase ist, die hoffentlich ganz schnell vorbei geht und dass schon bald wieder der fröhliche Enki durch Euer Haus und Leben rennt!!! Fühl Dich gedrückt. <3
    Liebe Grüße
    Anni

  4. Hey ihr,

    Bachblüten können wirklich helfen.
    Adgi hat auch mal eine Depression diagnostiziert bekommen. Lustlosigkeit, fehlendes Leben, Lust und ein trüber Blick. Wir haben damals den Tipp bekommen, den Hund möglichst viel in die Sonne zu legen und verrückte Dinge zu tun, die ihn aus dem grau holen. Letztlich hab ich getanzt wie eine blöde. Er hat mich bestimmt 3 Tage angeguckt, als würde er mich verkaufen wollen. Aber die Musik wollte nicht aufhören und irgendwann ist er aufgestanden und stand vor mir. Letztlich hat er mitgetanzt. Nein, keine perfekte Choreo und fernab von Dogdancing. Einfach zwischen meinen Beinen stehen und sich von mir drehen und schwanken lassen. Das hat es irgendwann gebrochen. Wahrscheinlich war es nicht das Tanzen, sondern mein Glück, das ich empfand. Vielleicht ist weniger Mitleid und mehr eigene Sorglosigkeit der Schlüssel. 🙂

    Liebe Grüße und ich würde auch n Tanzdienst übernehmen oder wir machen eine Tanzparty 🙂

  5. Ihr Lieben, es bestürzt mich sehr, das zu lesen. Ich möchte Enki in den Arm nehmen, seine Schläfen streicheln und ihm zuflüstern, dass alles wieder gut wird. Unglaublich, dass er sein Lächeln gerade verloren hat…
    Wir wünschen Euch von Herzen, dass die schwere, slawische Musik bald wieder durch den Soundtrack seines Lebens ersetzt wird und Charlie empfiehlt, ihm Mando Diao „no more tears“ in der MTV Unplugged Version vorzuspielen.
    Und davon ab müssten wir doch ein Treffen in 2017 noch schaffen?!

    1. Liebe Sandra,
      da Anika uns schon tanzen empfahl, werde ich nachher mal Charlies Mando Diao Song raussuchen.
      Irgendwie ist 2017 gefühlt fast durch. Es steht schon so viel an, dass ich nicht sicher bin, ob wir das in diesem Jahr noch schaffen.
      Aber spätestens mit Erwachen des Frühlings will ich unbedingt an den Rhein!
      Herzliche Grüße
      Stephie

      1. Liebe Stephie,
        Ihr seid jederzeit herzlich bei uns willkommen. Und falls uns die Winterdepression packt, stehen wir einfach irgendwann jämmerlich bei Euch vor der Türe und bitten um Einlass. 😂
        Fühlt Euch gedrückt
        Sandra mit Charlie und Lis

  6. Das tut mir Leid für Dich.
    Nicht das es vergleichbar wäre, aber auch Aileen hat Tage an denen ich gerne verzweifeln würde, in denen sie träge ist, keine Lust hat. Und dabei ist sie sonst auch ein fröhlicher, wenn auch eher etwas vorsichtiger Hund. Gerade wenn wir in der Stadt sind erkenne ich sie leider oft nicht wieder. Allerdings will sie dann nicht kuscheln und sich bei mir verkriechen, sondern macht das lieber mit sich selbst aus. :'(

    Ich drücke fest die Daumen, dass Enki körperlich nichts fehlt und er schnell wieder der Alte wird!

    1. Liebe Johanna,
      ich danke Dir. Und ich vermute, dass es wirklich nichts körperliches ist.
      Ich kenne das von Enki ja und vielleicht ist es das Erbe des ersten Lebens unserer Hunde.
      Nur so lange, so am Stück, das hatten wir schon lange nicht mehr.
      Herzliche Grüße
      Stephie

  7. Es tut mir sehr leid, das zu lesen. Ich kenne solche Phasen von Kalle auch. Das einzige Mal, dass so etwas länger angehalten hat, war allerdings, als es mir selbst nicht gut ging. Möglicherweise spielt auch bei Enki eure eigene Trauer um Paula mit eine Rolle. Wie du ihn beschreibst, ist er da vermutlich empathisch. Auf jeden Fall wünsche ich euch, dass er seine Freude bald wiederfindet. Wir denken an euch.
    Herzliche Grüße,
    Nora

      1. Mache ich. Auch wenn ich dabei immer aufpassen muss, weil er versucht, seine Zunge in meine Mundwinkel zu schieben – und da ist dann selbst für mich eine Grenze erreicht. 😉
        Gib bitte Enki auch ein Küsschen von uns.
        Herzliche Grüße,
        Nora

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