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Leben mit Hund

Morgenritual – der entspannte Start in den Tag

Morgenritual für einen entspannten Alltag mit Hund

Warum sind Rituale so gut für uns? Wie können wir sie nutzen, um für uns und unsere Hunde ein besseres Leben zu schaffen? Und welche besondere Stellung hat dabei das Morgenritual?

Ich bin der festen Überzeugung, wenn Du etwas ändern möchtest, fange mit dem Morgen an. Nichts ist so mächtig wie der Start in den Tag. Wenn wir schlecht in den Tag starten, mit dem linken Fuß aufstehen, brauchen wir unglaublich viel Energie, um das Ruder noch rumzureißen.

Und auch unser Hund merkt das. Er fühlt unseren Stress, unsere schlechte Laune. Spiegelt es und lässt sich anstecken. Denn das sind unsere Hunde wortwörtlich, Spiegel unserer Stimmung. Kaum ein Lebewesen hat so feine Antennen dafür, wie es uns geht. Keiner kann uns so gut lesen.

Wie sah mein Morgen aus?

Ich liebe die Idee eines festen Morgenrituals, habe viel darüber gelesen und es immer mal wieder ein paar Tage durchgezogen. Jedes Mal merke ich sofort, wie gut es mir tut. Aber ich habe es nicht ritualisiert. Schleichend habe ich dafür einen Morgen mit 3 Bechern Kaffee und einer Stunde Instagram ritualisiert. Meist war es dann eine Stunde und fünfzehn Minuten und ich zu spät dran. Schnell duschen, Hunde versorgen, sie manchmal sogar nur kurz in den Garten schicken und ab zur Arbeit. Auch da konsequent 10 Minuten zu spät hat mich jeder langsame Autofahrer, jede rote Ampel an den Rand des Wahnsinns getrieben. Ich weiß nicht, wie oft ich „Entschuldigung, dass ich zu spät bin.“ schon gesagt habe. Ich sollte es mir auf ein T-Shirt drucken lassen.

Warum ändere ich es nicht einfach?

Weil Rituale – schlechte wie gute – einfach wahnsinnig mächtig sind. Haben wir etwas ritualisiert, vollführen wir diese Handlung immer wieder in gleicher Abfolge, bevor unser Hirn auch nur Pieps sagen kann. Neue Rituale zu etablieren kostet Zeit und Energie. Vorhandene Rituale zu ändern kostet noch mehr Zeit und Energie.

Entspannung durch Routinen

Wie kann ich ein neues Morgenritual etablieren?

Ich bin der festen Überzeugung, dass das nur Schritt für Schritt geht. Vor Monaten habe ich etabliert, dass ich morgens mit Wasser und einer ausgepressten Zitrone starte. Inzwischen ist das so ritualisiert, dass es einen Tag ohne Zitronen im Haus bei mir seltener gibt als ein Tag, an dem der Kaffee alle ist.

Vor einer Woche habe ich das Ritual wieder aufgenommen morgens 15 Minuten Yoga mit anschließenden 3 Minuten Meditation zu machen. Ich mache mir meine Zitrone, gehe mit den Hunden und dem Zitronenwasser in den Garten und wenn ich wieder hereinkomme, setze ich mich gar nicht erst, sondern öffne meine Yoga App auf dem Tablet und rolle die Matte aus. Für mich ist es wichtig mich nicht zu setzen, denn das würde sofort wieder das Instagramritual triggern.

Bin ich damit fertig mache ich Kaffee und schnappe mir mein Bullet Journal, während der Kaffee kocht. Dort schreibe ich diese Minute einfach alles rein, was mir gerade durch den Kopf schwirrt. Völlig ungefiltert. Meist lese ich das dann auch nie wieder, ich lasse es nur einmal raus, die Gedanken frei.

Ist der Kaffee fertig schaue ich, wie viel Zeit ich noch habe um 15 Minuten früher als gewöhnlich unter der Dusche zu stehen. Bei mir ist das 7:30 statt 7:45 oder gar – oh Schreck – 8:00 Uhr. Für diese Zeit stelle ich mir einen Timer und öffne nun endlich meine Social Media Apps. Ein kurzer Blick durch Facebook, 10 gepinnte Pins bei Pinterest und den Rest der Zeit Instagram.

Alte Vorstellung über Bord werfen

Ich hatte lange den Anspruch an mich jeden Post auf Instagram gesehen zu haben. Kennst du diese Meldung von Instagram „Du bist auf dem aktuellen Stand“? Die wollte ich sehen. Ich folge den Menschen ja nicht ohne Grund, wollte allen Wertschätzung mindestens in Form eines Likes, wenn nicht sogar in Form eines Kommentars zukommen lassen. Und dabei habe ich die Wertschätzung meiner eigenen Person und die Wertschätzung meiner Hunde vernachlässigt.

Ich habe mich davon frei gemacht und akzeptiere, dass der Zeitaufwand zu hoch ist. Oder besser gesagt, der Preis ist zu hoch. Denn mit der investierten Zeit habe ich auch wertvolle Energien genutzt, die mir dann während des restlichen Tages fehlten. Nicht umsonst ist es hier so still geworden, erscheinen immer seltener Beiträge.

Ich fühlte mich gefeit vor der Zeitfalle Social Media, da ich die Nutzung ganz fest auf morgens ritualisiert hatte. Den Rest des Tages nutze ich überwiegend ohne Social Media und öffnete die Apps dann erst abends wieder. Und dennoch tappte ich in die Falle, denn wie ich zu Beginn schon schrieb, der Start in den Morgen stellt die Weichen für den ganzen Tag.

Morgenritual als guter Start in den Tag

Was macht ein neues Morgenritual mit meinen Hunden?

Wir begrüßen den Morgen gemeinsam viel entspannter. Noch bevor ich aufstehe nehme ich mir Zeit und kuschele mit beiden im Bett. Wenn wir dann in den Garten gehen, läuft nicht jeder auf eigene Faust umher, während ich drinnen am Tisch sitze. Sondern wir sind alle drei zusammen im Garten. Die beiden spielen, toben, schnuppern und beziehen auch mich immer wieder mit ein, fordern mich auf. Und der Aufforderung komme ich zu gerne nach.

Nach dem Garten beim Yoga kuscheln sie sich direkt an die Matte, dösen und warten nur auf das Namaste am Ende, das Ihnen Frühstück und mir Kaffee verspricht.

Und am Ende dieses Morgenrituals sind wir dann zu dritt im Wald, gehen 20-30 Minuten spazieren mit einer ungekannten Ruhe und Entspanntheit. Wir schauen Rehen zu und hören Vögel.

Ich habe viel „Ruhe“ mit meinen Hunden trainiert, denn das war mir wichtig. Aber nichts hat ihnen so zur Ruhe verholfen wie dieser gemeinsame Start in den Tag.

Wie geht es weiter?

Das Morgenritual ist genau dies noch nicht, das Konstrukt fragil. Das weiß ich und zwar nicht nur theoretisch. Denn ich versuche nicht zum ersten Mal so ein Morgenritual zu etablieren. Aber zum ersten Mal bin ich es kleinschrittig angegangen. Und werde es erst ergänzen oder überdenken, wenn die jetzigen Bestandteile in Fleisch und Blut übergegangen sind, passieren, bevor sich mein Hirn einschaltet.

Rituale gegen Angst und Unsicherheit

Routine oder Ritual?

Eine Routine ist etwas, was wir immer wieder in der gleichen Art machen. Routinen sind Zeitsparer, aber bergen auch immer die Gefahr, dass wir nicht mehr offen für Neues sind und uns von gewohnten Strukturen nicht lösen können. „Das haben wir immer schon so gemacht“ ist ein Klassiker der Routinen.

Im Kleinen können wir Routinen nutzen, um Dinge schnell zu erledigen. Zahnputzroutinen, Hausputzroutinen, Routinen bei der Zubereitung des Hundefutters, …

Aber wir sollten wachsam bleiben, wo sich in unserem Alltag überall Routinen eingeschlichen haben und ob es nicht an der Zeit ist, etwas einmal ganz neu anzugehen. Das hält unser Gehirn wach und gibt der Kreativität Raum.

Rituale sind Routinen mit Symbolcharakter. Gerade diese Symbolik macht aus Alltagshandlungen oft Rituale. Deswegen geben uns Rituale Kraft. Es sind nicht nur eingeübte Handlungsabfolgen, sondern wir geben ihnen eine besondere Bedeutung, quasi einen höheren Sinn. Bei meinem Morgenritual ist der Sinn entspannter in den Tag zu starten und so jedem einzelnen Tag mehr Wertschätzung entgegen zu bringen.

Wir kennen alle die großen Gemeinschaftsrituale wie Weihnachten, Ostern, Konfirmation oder Kommunion, Hochzeit und so weiter. Auch wenn wir uns ihnen und dem Gemeinschaftsdrang manchmal entziehen, so sind es doch Zäsuren im Leben, die es quasi ordnen, Sicherheit und Struktur geben.

Das können wir für unseren Alltag übernehmen und wiederkehrenden Handlungen Bedeutung geben. So bauen wir uns selbst und unseren Hunden ein Gerüst für Tag, Woche, Leben, das uns Struktur und Sicherheit gibt. Das Morgenritual ist mein Anfang, aber jeder kann seine eigenen Rituale erfinden. Das Ritual zum Abschied, damit der Hund sicher weiß, dass wir weggehen und wiederkommen. Das Ritual vor dem Schlafengehen, vor dem Spaziergang und vieles mehr. Meist haben wir schon Rituale und es kommt nur darauf an, den Symbolcharakter zu erkennen, um bewusst Nutzen aus ihnen zu ziehen.

Verbundenheit und Struktur für Dich und Deinen Hund

Rituale wissenschaftlich untersucht

Unter Leitung der Psychologin Alison Wood Brooks von der Harvard University wurde untersucht, wie uns Rituale in schwierigen Situationen stärken. Die Untersuchung zeigte, dass rituelle Handlungen Aufregung und Ängste reduzieren.

Sie ließ die Probanden vor einer Gesangsprüfung oder einem Mathematiktest folgendes Ritual vollführen: Zeichne auf ein Papier, wie du dich gerade fühlst. Streue Salz auf das Papier. Zähle laut bis fünf. Falte das Papier zusammen, und werfe es in den Müll.

Das Ergebnis war, dass die Probanden, die dieses Ritual vollführten, besser in den Prüfungen abschnitten, weniger Angst hatten und einen ruhigeren Puls hatten als die Testgruppe, die kein Ritual vollführte. Dabei war es nicht ausschlaggebend, ob die Probanden an das Ritual glaubten oder nicht. Wichtig war nur, dass die Probanden dem Ritaul eine höhere Bedeutung zumaßen und es auch als Ritual benannten.

Das Ergebnis: Wer dieses scheinbar sinnlose Ritual absolviert hatte, schnitt tatsächlich besser ab, hatte weniger Angst und einen ruhigeren Herzschlag als Teilnehmer, die kein Ritual vollführt hatten. Das galt selbst für Probanden, die zuvor nicht so recht an die Wirkung ihres rituellen Handelns geglaubt hatten.

Ich glaube fest daran, dass wir nicht nur uns, sondern auch unseren Hunden mit Ritualen Ängste, Stress und Aufregung nehmen können. Probiere es doch mal aus. Es kostet nichts und schadet sicher nicht. Wenn Du noch Inspiration möchtest, hier habe ich schon mal über Rituale und Routinen geschrieben: Regeln und Rituale im Zusammenleben mit Hund

Und ein schönes Buch zur Macht des Morgenrituals ist der Klassiker von Hal Elrod: The Miracle Morning: The 6 Habits That Will Transform Your Life Before 8AM *

 

Übrigens findet ihr bei Flummis Diary auch eine Idee für eine Morgenroutine, diesmal mit etwas mehr Action als bei mir. 🙂


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