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Hundetraining

Enki, Luna, die Leine und ich

Entspannt mit Hunden an der Leine unterwegs

Wenn ich mit Luna und Enki durch den Wald laufe, ist das nicht witzig. Luna hängt in der Leine, den Blick fest auf den Horizont gerichtet und zieht nach vorne was das Zeug hält. Was auch immer sie am Ende des Horizonts erreichen will, sie will da schnell hin.

Enki läuft mal rechts, mal links, springt ins Unterholz, hüpft im Kreis – alles in allem ist er so berechenbar wie ein Flipperball. Dabei verheddert er sich meist in der Leine, in der Regel interessiert er sich aber auch nicht für ihre Länge und springt mit Karacho rein, wenn er was Spannendes entdeckt hat.

Ich bin in der Mitte. Der rechte Arm hält das Ende von Lunas Leine und fliegt hinterher, der linke Arm wird von Enki in alle Himmelsrichtungen gezogen. Immer wieder versuche ich Ordnung in das Chaos zu bringen. Manchmal mit Stoik, aber nach einem anstrengenden Tag auch schon dezent genervt. Dann bin ich nach der Hälfte des Weges so weit, dass ich sie mit Wuttränen in den Augen nur noch anbrülle. Da stehen sie dann, schauen mich irritiert an wie zwei begossene Pudel. Und mir tut es leid, dass ich ausgeflippt bin. Ich entschuldige mich, ein zaghaftes doppeltes Schwanzwedeln ist die Antwort und schon geht es weiter. Luna den Blick fest auf den Horizont, massiver Antritt in der Hinterpfote, Enki pingt rechts, links, rechts, links, im Kreis, oben, unten.

Entspannt mit Hunden an der Leine unterwegs

Leinentraining

Aber was ist passiert? Habe ich Dir nicht letztes Jahr von unserem erfolgreichen Training und dem Ausflug ins Rally Obedience erzählt? Sie können an der Leine gehen, beide. Total vorbildlich. Wenn ich sie in den Arbeitsmodus versetze laufen sie astrein an meiner Seite, Luna mit einem leichten Hang zur Genickstarre. Unser Training hat sich ausgezahlt. Einzig, ich möchte das nicht.

Ich will nicht im Arbeitsmodus mit meinen Hunden durch den Wald laufen. Immer in der Gefahr, dass Luna sich die Pfoten bricht, weil sie in Erwartung des nächsten Schusses, äh Keks, nur zu mir hochstarrt. Ich möchte mit ihnen entspannt durch den Wald stromern. Gemeinsam. Weiteres Training hilft uns nicht, bringt uns nicht vorwärts. Ich fühle, dass in unserer Kommunikation grundlegend etwas schiefläuft.

Entspannt mit Hunden an der Leine unterwegs

Auf der Suche nach Inspiration

Nach einem besonders schlechten Spaziergang las ich diesen Artikel von Buddy schreibt. Und dachte nur, na toll, hätte ich den nicht vor zwei Stunden lesen können? Kerstin und ich hadern beide schon lange, häufig ist irgendwo Sand im Getriebe. Das Buch von Mirko Tomasini hatte ich da und habe es wieder hervorgeholt. Aber beim Lesen hörte sich das für mich nicht gut an, passte nicht zu dem was ich wollte. Eigentlich wollte ich so mit meinen Hunden unterwegs sein, wie Ursula Löckerhoff es in Mehrhundehaltung beschreibt. Also dieses Buch noch mal lesen? Dort Inspiration suchen?

Ich weiß nicht, ob Du das kennst, aber wenn ich auf der Suche nach Inspiration bin, benötige ich häufig frische unverbrauchte Impulse. Und so scrollte ich durch meinen Buch-Wunschzettel und blieb immer wieder an „Leinen los“ hängen. Das Buch stand schon länger auf meinem Wunschzettel. Aber ich hatte keine Lust, etwas über den doppelten Rückruf, intermediäre Brücken und was weiß ich für Trainingsmethoden zu lesen. Ich wollte etwas, das eine Ebene tiefer ansetzt. Ich wollte ein Gefühl dafür bekommen, was bei uns schief läuft. Keine Trainingsrezepte.

Entspannt mit Hunden an der Leine unterwegs

Leinen los

Ich hätte Katharina von der Leyen und Inga Böhm-Reithmeier viel eher vertrauen sollen. Natürlich erwarteten mich bei ihnen keine Kochrezepte. Nach dem Lesen der Probeseiten habe ich das Buch sofort gekauft, war gefesselt. Ich hatte keine Zeit, auf die gedruckte Variante zu warten, sondern las gleich im E-Book weiter. Da war die Inspiration, die ich suchte.

Wie soll es denn aussehen?

Grundlegend war erstmal die Frage, wie denn der Spaziergang aussehen solle. Das kenne ich, es nützt nichts sich darauf zu konzentrieren, wie es nicht sein soll. Sondern darauf, wie man es eigentlich gerne hätte. Nur so stimmt die Grundvoraussetzung. Aber immer, wenn ich mir den perfekten Spaziergang vorstellte, kam nur ein „so wie es früher war“ dabei heraus. Und früher hat leider so gar nichts mit Enki und Luna zu tun. Früher war mein Aussie Jamie, mit dem ich im blinden Vertrauen und wortloser Kommunikation unterwegs war. Ich konnte mich zu 100% auf ihn verlassen und er verließ sich auf mich. Wir beiden waren das perfekt eingespielte Team. Ich kam davon nicht weg, konnte kein neues Bild für uns drei visualisieren. Interessant, dachte ich mir. Schau an, in was für einer Schleife du da noch festhängst. Mir wurde klar, dass das so nichts werden konnte. Ohne die Persönlichkeiten von Enki und Luna mit einzurechnen, einem toten Hund hinterher träumend musste ich mich eigentlich nicht wundern, dass das nichts wird mit uns.

Entspannt mit Hunden an der Leine unterwegs

So soll es nicht aussehen

Um aus der Schleife rauszukommen habe ich es doch getan. Ich habe die Negativliste aufgestellt, was alles nicht sein soll. Und auch da, große Überraschungen. Enki zum Beispiel sollte bitte nicht mehr so wild hin und her springen. Ruhig mit mir durch den Wald gehen. Aber Zuhause genieße ich sein wildes Rumgehüpfe, steige sogar selbst darauf ein, weil es mir sofort gute Laune macht. Armer Hund, was soll er denn nun?

Und wenn ich versuche ihn beim Spaziergang mehr zur Ruhe zu bekommen, nehme ich ihm dann nicht etwas? Klaue ich ihm nicht seine Lebensfreude?

Ich beschloss mich darauf einzulassen. Für die verbleibende Zeit der Brut- und Setzzeit wollte ich das „Leinen los“ Konzept umsetzen. Dafür würde ich häufiger wieder einzeln mit den beiden gehen und nicht alle Spaziergänge zu dritt unternehmen.

Wenn ich mit Enki allein unterwegs bin, steigt er gut darauf ein, wird ruhiger. Und ich merkte, ich nehme ich absolut nichts. Ich gebe ihm etwas. Er genießt den Wald viel mehr, schnuppert, hört den Geräuschen zu.

Luna ist schwieriger, weil ich nicht durchschaue, was sie am Ende des Horizonts zu finden hofft. Aber auch sie steigt langsam auf die Pausen, auf den gemütlicheren Schritt ein.

Wenn wir doch zu dritt oder mit einem anderen Hund unterwegs sind, ist alles beim alten. Ich brauche meine volle Konzentration und offensichtlich reicht die nicht für zwei Hunde.

Entspannt mit Hunden an der Leine unterwegs

Wir schaffen auch das!

Ich bin mir jedoch sicher, dass wir das schaffen. Wir haben zu dritt schon so viel geschafft, da sollte das ein Witz sein. Und langsam kommen auch Visionen, wie Spaziergänge mit Enki und Luna aussehen könnten. Die Bilder von Jamie und mir werden langsam aber sicher übermalt mit den bunten Farben meiner beiden Chaoten.

Rally Obedience ist bei uns leider über die Klinge gesprungen. Ich ahnte wohl schon länger, dass es nicht die Form von Training ist, die wir für einen gemeinsamen Alltag brauchen. Außerdem findet es sonntags statt. Am einzigen Tag, an dem der Lieblingsmann und ich gemeinsam frei haben. Und der Preis der gemeinsamen Freizeit fühlt sich zu hoch an.

 


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Bloggerin mit einem Faible für Fotographie.