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Hundetraining

Zu dritt als Team oder zu zweit als Paar

Von allen Seiten hört man als Tipp, dass der zweite (oder in meinem Fall dritte) Hund erst kommen solle, wenn die Grunderziehung des ersten Hundes abgeschlossen sei und sich eine enge Beziehung und Alltagsroutine entwickelt habe. Ich kann das nur aus vollem Herzen bestätigen, weil es bei mir nämlich genau anders lief.

Enki war erst ein paar Monate bei uns als Luna im Juni kam und noch nicht mal ansatzweise erzogen. Durch die Krankheit und dann den Tod von Jamie hatten wir auch noch keine Gelegenheit, eine Alltagsroutine mit Enki zu entwickeln. Das ganze erste Halbjahr 2016 war bei uns Ausnahmezustand (es kamen noch familiäre Probleme und eine erneute Mietersuche nach nur drei Monaten hinzu) und wir liefen konstant auf Reserveenergie.

Luna kam also genau zum perfekten Zeitpunkt, als noch alles im Chaos steckte. Jeder halbwegs vernunftbegabte Mensch würde sagen, dass man genau das nicht tun solle und ich kann dem nur zustimmen. Jeder Spaziergang und jede Trainingseinheit waren schwierig. Ich hatte noch kein Konzept von den beiden Hunden, nicht das Gefühl, sie wirklich zu verstehen und zu begreifen. Ich ging mit beiden an Schleppleinen, tüdelte mich regelmäßig in den beiden Schleppleinen ein und versuchte mit beiden gleichzeitig zu üben. Ich bin zwar multitaskingfähig, aber das überschritt meine Fähigkeiten bei weitem. Häufig überkam mich das Gefühl mir zu viel zugemutet zu haben.

Eines Tages waren wir in den Feldern unterwegs. Auf einem brachliegenden Feld ließ ich sie toben und versuchte schöne Fotos von ihnen zu knipsen, die diese Lebensfreude einfingen. In dem Moment entdeckte Luna auf dem Feldweg einen Radfahrer und schoss hinter ihm her. Enki ließ sich nicht lange bitten und stimmte in die wilde Jagd ein. Sämtliche Rückrufversuche von mir verhallten ungehört. Nach einigen Metern hatten sie wohl genug von der Jagd und liefen freudestrahlend auf mich zu. Dabei stupsten sie sich gegenseitig an und es sah für mich aus, wie ein kumpelhafter Schlag auf die Schulter. Bestätigung der tollen Teamarbeit.

Da stand ich, mit Hundepfeife und Leckerchen bewaffnet und meine Hunde kamen nur zu mir zurück, weil sie genug von ihrem Spaß hatten und lieber wieder auf dem Feld tobten. Ich war beschämt (der Radfahrer war ziemlich sauer) und frustriert. Aber vor allem fühlte ich mich außen vor. Die beiden hatten eine tolle Beziehung und verstanden sich inzwischen fast schon blind. Aber wie stand es um meine Beziehung zu den beiden?

Da Paula schon eine Weile nicht mehr Spazierengehen konnte, war ich in den letzten Jahren mit Jamie immer allein unterwegs. Wir verstanden uns ohne Worte und ich wusste in jeder Situation wie er reagieren würde. Befehle führte er manchmal schon aus, bevor ich sie aussprach. Ein Blick reichte. Ich vermisste ihn und ich vermisste diese enge Bindung zu meinem Hund. Enki und Luna tobten weiter auf dem Feld, ich saß am Rand und heulte. Um meinen Hund, um die nicht vorhandene Beziehung zu den beiden und um mein Leben bis Ende 2015, bevor das Chaos über uns hereinbrach. Ich glaube, am Ende weinte ich nur noch, weil ich noch nicht mal mehr die Kraft hatte aufzuhören. Gerne würde ich sagen, dass einer der beiden zu mir kam. Aber sie spielten einfach weiter und hatten eine tolle Zeit.

Auf dem Weg nach Hause beschloss ich, dass es so nicht weitergehen kann. Ich wollte eine Beziehung zu meinen Hunden und ich brauchte wieder eine greifbare Struktur. Vor allem brauchte ich einen Schlachtplan. Die sind für mich immer sehr wichtig, da sie mir das Gefühl der Machtlosigkeit nehmen und ich aktiv werden kann. Ich bestellte mir ein paar Bücher zur Mehrhundehaltung und erstellte Tagespläne .

Seit dem Tag machen wir nur noch einige Spaziergänge in der Woche zu dritt. Meist gehe ich mit einem Hund allein. Trainingseinheiten werden auch nicht mehr unter einen gemeinsamen Hut gezwängt. Ich übe mit beiden nacheinander. Vorher hätte ich ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Zurückbleibenden gehabt, aber nun merke ich, wie sehr es unser aller Beziehung vertieft. Beide Hunde werden für mich als Individuen greifbar.

Geholfen hat mir dabei ein Absatz aus einem kleinen Büchlein von Patricia McConnell zum Thema Mehrhundehaltung.

„Einmal Meutechef und zurück“ – Patricia McConnell*

Der Satz, die Hunde würden ihre wichtigen Beziehungen nur zueinander pflegen, traf ins Herz. Genau das war Kern meines „Außen-vor-Gefühls“ am Feldrand.

Seit ich viel mit den Hunden einzeln mache, hat sich wieder eine gewisse Leichtigkeit eingeschlichen. Ich kann jeden Hund einzeln besser einschätzen und sie achten mehr auf mich, auch wenn wir zu dritt unterwegs sind. Ich fühle mich Ihnen nah.

Die Beziehung zwischen mir und Enki oder Luna verbessert sich konstant, aber auch als Dreierteam werden wir immer besser. Die Hunde zeigen einzeln immer neue Verhaltensweisen und Eigenheiten. Ich habe wieder Spaß an und mit meinen Hunden und nun auch einen Tagesablauf, wo jeder seine Zeit und seinen Platz hat.

Meinem Traum vom eingeschworenen Team kommen wir so hoffentlich näher.


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Stichworte : #erziehungPatriciaMcConellUnterwegs
Stephanie Rose

Die Autorin Stephanie Rose

Bloggerin mit einem Faible für Fotographie.

5 Kommentare

  1. Wow, das klingt klasse und für mich völlig nach vollziehbar. So werde ihr drei bestimmt ein super Trio werden. Ich finde es mit zwei Hunden (ab und an nehme ich den meines Bruders mit) auch schwierig und weniger entspannt. Gerade weil Aaron ab und an ein Leinenrüpel ist und der Hund meines Bruder noch lernen muss und einige Situationen für ihn neu sind.
    Bei Aaron stand für mich immer fest, dass ich mir keinen Zweithund hole, weil ich lieber ungeteilte Aufmerksamkeit für ihn haben will. Schließlich kann ich ja oft genug sehen, wie es für mich ist mit zwei Hunden zu laufen oder zu üben und das wäre auf Dauer nichts für mich.
    liebe Grüße
    Sandra und Aaron

  2. Ich hatte jahrelang zwei , phasenweise auch drei Hunde , momentan leider nur noch einen und ich finde das oft zu langweilig 😊l.g.Anja

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