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Kolumne: Enki und die Tüte

Ich denke, ihr kennt sie alle. Diese Plastiktrichter, Kragen, oder wie auch immer der Fachbegriff lautet, die ein Hund nach einer OP tragen muss, damit er das mühsame Nähwerk nicht gleich wieder zerstört. Bei uns heißt das Ding Tüte.

Viele unserer Hunde mussten sie schon tragen. Da war die Dame mit dem Kontrollzwang, die das Ding nicht ertragen konnte und sich trotz der größtmöglichen Tüte eines nachts houdinimäßig verbog und sich selbst fachgerecht die Fäden zog. Die anschließende Narbe schien sie lebenslang mit Stolz zu tragen. Dann war da die Kopf-durch-die-Wand Dame, die überall mit der Tüte durch wollte. Wenn es nicht passte, zurücktreten und mehr Schwung nehmen. Unsere Beine waren mit blauen Flecken übersäht. Wir hatten auch den Ängstlichen, der durch die Tüte dermaßen verunsichert wurde, dass er sich kaum noch bewegte. Er bekam die kleinstmögliche Tüte und schaute uns trotzdem nur mit riesigen Pupillen an.

 

Und dann kam Enki. In seiner kurzen Zeit bei uns musste er nun schon zweimal so eine Tüte tragen.  Er bewegt sich mit der Tüte völlig ungezwungen. Es scheint, als würde er gar nicht bemerken, dass da so ein Ding um seinen Hals hängt. Und doch, wenn man ihn in Bewegung beobachtet, sieht man, wie er seine Navigation ändert, damit er mit der Tüte überall durchpasst. Und er kommt zu uns, wenn es ihn hinter den Öhrchen juckt, damit wir bitteschön jucken. Beim Toben mit Luna nutzt er die Tüte zu seinem Vorteil, damit sie nicht richtig an ihn rankommt. Wenn er sie dann erwischt hat, sperrt er ihren Kopf unter der Tüte auf dem Boden ein. Wenn sie dann wieder hochkommt oder wir sie errettet haben, ist sie patschnass, gründlich von Enki durchgeschleckt und er wedelt und freut sich. Enkis Lieblingsfilm muss wohl Forrest Gump sein. Denn wenn ihm das Leben Zitronen gibt, macht er Limonade und lädt alle dazu ein.

Seit gestern ist er die Tüte wieder los. Aber es gab keine Freudensprünge. Jetzt wieder ohne Tüte, o.k. Mit oder ohne, für ihn scheint das reine Theorie.

Wir haben natürlich auch diese wundervollen neuen blauen Schwimmringe probiert. Sehr praktisch, da sie gleichzeitig eine formidable Schnauzenablage sind. Aber beim ersten Mal kam er mit dem größten Ring immer noch an die Wunde und dieses Mal hat Luna diesen luftgefüllten Ring binnen kürzester Zeit fachgerecht getackert. Daher haben die Schwimmringe bei unseren Rabauken leider den Praxistest nicht bestanden.

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11 Comments

  • Reply
    dreipunktecharlie
    8. November 2016 at 8:38

    Gut zu wissen, dass der Schwimmring bei Euch versagt hat. Ich wollte im Falle des Falles einen für Charlie besorgen. Das spare ich mir dann.
    Und wahnsinnig cool, wie Enki mit dem Trichter (so nennen wir das) umgeht! Gibt es ein Foto der gefangenen Luna? Das würde ich zu gerne sehen! 😀

    • Reply
      Stephie von The Pell-Mell Pack
      8. November 2016 at 12:05

      Leider gibt es kein Beweisfoto. Das Handy war immer fern. Aber Luna würde mich wohl auch verklagen. 😀
      Wenn die Wunde nicht zu weit hinten ist (wie bei der Kastration) kannst Du die ruhig mal ausprobieren. Du hast ja keine Luna mit messerscharfen Zähnen Zuhause.
      Unsere TA verleiht die auch an ihre Patieten. Die meisten Hunde kommen super damit klar.

  • Reply
    Genki & Co
    8. November 2016 at 10:51

    Oh, ich hasse die Dinger. Bei uns hat das nie gut funktioniert, so dass wir immer lieber Alternativen gesucht haben um die Wunde selbst abzudecken, statt einen Kragen anzuziehen. Beim letzten Mal, als Momo so ein Ding tragen musste, ist ihr Genki dafür ständig an ihre Wunde, das hat also garnicht geholfen. Wir weichen also lieber auf Alternativen wie Socken oder Babybodies zurück. Anfang des Jahres hatten wir Mal Hundebesuch mit Kragen da – Genki hat gleich Befreiungsversuche unternommen und dem Hund den Kragen Mal komplett ringsum abgeknabbert. Nene, das funktioniert bei uns alles nicht. Gut dass Enki das Ding los ist, hoffentlich bleibt ihm das in Zukunft erspart.

    • Reply
      Stephie von The Pell-Mell Pack
      8. November 2016 at 12:07

      Gut, dass bei Euch abdecken funktioniert. Ich habe das nie fest genug bekommen, so dass alle Einpackversuche nach spätestens einer Stunde wieder ausgepackt waren. 😀

  • Reply
    Claudia und Maya in Schweden
    8. November 2016 at 12:57

    Als wir Maya voriges Jahr kastrieren mussten wollten wir ihr das Trichter tragen so angenehm wie möglich machen und kauften einen Trichter aus dunklem weich gepolsterten Material, den man auch zurueckklappen konnte zum Fressen und Trinken. Das Anprobieren war auch ok aber als sie ihn dann tragen sollte … wurde sie ganz steif und hat uns angeschaut mit einem Blick der sagte „DAS ist nicht euer Ernst?“. Grund dafuer war dass sie links und rechts ueberhaupt nichts sah und Maya ist ein Kontrollfreak… das ging gar nicht.

    Somit hatte sie untertags nur einen Hundebody an und die ersten drei Tage den normalen halbdurchsichtigen Standard-Plastiktrichter zum Schlafen. Nachdem sie kein einziges Mal auch nur versuchte, an die Wunde zu kommen, durfte sie dann ohne Trichter schlafen.

    Unsere grösste Befuerchtung war immer gewesen, dass sie die Wunden (man hatte gleichzeitig einen schwarzen Fleck auf der Haut entfernt um ihn zu untersuchen) aufreisst/aufbeisst weil sie ja mit ihrem langen Hals leicht hinkommt aber die verheilten wunderschön und vollkommen problemlos.

    Dass die Wunde dann unser kleinstes Problem war weil sie wegen des Nichtvertragens des Schmerzmittels (nur drei Tage genommen, dann haben wir es abgesetzt) trotz Schonkost 6 Wochen lang kotzte, hätten wir uns nie gedacht.

    Aber Ende gut, alles gut… auch wenn der Magen jetzt empfindlicher ist. 🙂

    LG Claudia

    • Reply
      Stephie von The Pell-Mell Pack
      8. November 2016 at 15:59

      Oh Mann, schön, dass es Maya wieder gut geht. Ich habe mir auch nur Sorgen gemacht, dass Enki sich die Fäden zieht. Daran, dass die Medikamente das Problem werden könnten, denkt man ja vorher nicht.
      Ich hoffe, ihr habt Euch die Wirkstoffgruppe fürs nächste Mal gut gemerkt.

      Ich glaube, mit so einem undurchsichtigen Kragen hätte Enki auch größere Probleme gehabt. So weich der sein mag, dass ist ja schon ein wenig wie mit Scheuklappen durchs Leben laufen. Und dann hätte Luna ja richtig leichtes Spiel mit ihm gehabt und ihn wohl nur noch gepiesackt. 🙂
      Herzliche Grüße ins weiße Schweden, der Schnee kam nun heute auch bei uns an. Allerdings in gewohnt dünner Schicht.
      Stephie mit Enki und Luna

  • Reply
    Roveena
    8. November 2016 at 20:01

    Aaron hatte einen Trichter…aber damit ging gar nichts bei ihm. Schlafen ging nicht…schon mal einen Hund mit Augenringen gesehen? Uff, man lag oder saß nur apathisch und als er nun in diesem Jahr ausgerechnet am Hals einen Hot Spot bekam, ging es mit dem Trichter gar nicht, weil er genau an der Stelle scheuerte. Ich machte mich auf die Jagd nach einem aufblasbaren Reifen und war froh…mein Hund war glücklich. Konnte Schlafen, sich auf den Rücken drehen und vor allem wieder sehen, was zur folge hatte, dass er auch wieder aufs Sofa springen konnte zum Schlafen. Damit der Reifen definitiv nicht scheuert haben wir noch Mullbinden drum gewunden. Ich bin froh, dass er für Aaron die richtige Lösung war 🙂
    ein Glück, dass es eine Auswahl an Kratz/Beissschutz gibt. Für jeden das passende dabei.
    liebe Grüße
    Sandra und Aaron

    • Reply
      Stephie von The Pell-Mell Pack
      8. November 2016 at 21:14

      Ich finde die aufblasbaren Kissen, oder liebevoll auch Schwimmringe, auch die beste Lösung. Schade, dass Luna die als Beißringe missbraucht, um Enki festzuhalten. 😉

      • Reply
        Roveena
        8. November 2016 at 21:21

        Aarons Freunde fanden den Schlauch zum Glück nicht zum Anbeissen interessant. Er wurde beschnüffelt und dann war es ok. Zum Glück wohnt Aaron so gesehen alleine. Da kann keiner dran rum knabbern. 🙂

  • Reply
    Lakritz und Schokolade
    10. Dezember 2016 at 14:37

    Hahaha, Sandra, meine Augsburger Freundin nennt sie auch „Trichter“. Als kürzlich ihre Katze einen tragen musste (Genähte Wunde am Hals), hieß das arme Tier wochenlang nur „Trichtercat“ 😀 😀

    • Reply
      Stephie von The Pell-Mell Pack
      15. Dezember 2016 at 15:03

      Jetzt wird WP komisch… Habe Dich durch Zufall eben im Spamordner gefunden.
      Aber lustig, dass das noch jemand Trichter nennt. Die meisten wissen nicht, wovon ich rede. 😀

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