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Hundetraining

In 6 Wochen zum Familienhund – Teil 3

Haben wir einen perfekten Familienhund?

Lange ist es her, da ging Enkis Hundetraining in die Wochen 5 und 6 und sollte nun erfolgreich beendet sein. Und mit kaum auszuhaltender Spannung brennt dir bestimmt die Frage auf der Zunge: Ist er nun der perfekte Familienhund? Ist Enki fertig und komplett nach nur 6 Wochen magischen Trainings?

Ja, ist er. Er ist der perfekte Familienhund – zumindest für unsere Familie. Aber ehrlich, das war er schon immer – egal, ob er an der Leine zog oder ich vergessen hatte ihm Platz beizubringen. Für den perfekten Familienhund muss er bei uns nicht mehr können als lächeln und hübsch aus dem Fell schauen.

Trotzdem war unser „6 Wochen Hundeerziehung“ Experiment ein voller Erfolg und ich kann dir das Buch uneingeschränkt ans Herz legen. Ich habe mit dem Buch meinen Trainingsstil mit Enki gefunden. Das Wochenprogramm hat mich daran gewöhnt, kontinuierlich zu üben und es ist ein guter Leitfaden, Trainingsmethoden nicht allzu bunt zu mischen. Es hat an vielen Stellen dafür gesorgt, dass ich mich und mein Verhalten hinterfrage und inzwischen mehr Klarheit habe.

Und last but not least lernen Enki und ich nach wie vor jeden Tag und wir werden als Team immer besser. Frustrationsmomente werden seltener, meist macht es einfach nur Spaß, mit ihm da draußen in der Welt unterwegs zu sein.

Schäferhundmischling Enki

Mit dem Gesicht ist er so schon unser perfekter Familienhund

Woche fünf unseres Hundetrainings

Die fünfte Woche dreht sich um das Spiel mit dem Hund. Patricia McConnell erklärt, dass richtiges Spielen die Bindung stärken und unseren Hund motivieren kann. Er kann Kontrolle über seine Gefühle (Stichwort Impulskontrolle) lernen und es macht einfach nur Spaß. Sie warnt aber auch, dass die falsche Art Spiel zu Problemen führen kann, bis hin zu Beißvorfällen, die aus überdrehtem Spiel entstanden sind.

Weiter stellt sie Spielzeuge vor und gibt Tipps, welche gut und welche weniger geeignet sind. Außerdem erklärt sie, wie wir unserem Hund beibringen können ein Spielzeug zu fangen und zu uns zurückzubringen. Da Enki ein wahrer Meister im Fangenspiel ist und ich eher aufpasse es nicht zu übertreiben, um mir keinen gepflegten Balljunkie heranzuziehen, habe ich diese Übung übersprungen.

Weitere Spiele die sie erklärt sind „Take it, Drop it“ und die Grundlagen eines fröhlichen Zerrspiels. Spiele beenden, wenn der Hund überdreht und ein paar Worte dazu, dass man sich selbst nicht als Hundespielzeug missbrauchen lassen sollte, runden den Exkurs ab.

Nun aber zu den Übungen dieser Woche:

Sitz und Platz

Sitz soll nun keine eigene Übung mehr sein, die ein paar Mal nacheinander trainiert wird, sondern Enki soll im Laufe des Tages immer wieder Sitz machen. Da er Sitz ja schon konnte, machen wir das sowieso. Wir haben das Sitz schon mal in die Außenwelt ausgedehnt, denn das Ziel ist, dass sich Enki irgendwann immer und überall auf Ansage hinsetzt.

Beim Platz sollen wir nun Sicht- und Hörzeichen abwechseln, sodass er auf jedes Zeichen reagiert. Eigentlich fallen Enki die Hörzeichen schwerer. Nicht so beim Platz. Ich hatte ja vergessen es ihm beizubringen. Dafür hatte ich aber schon fleißig „Gib Pfote“ mit ihm geübt. Die Handzeichen sind bei mir recht ähnlich, weshalb er mir meist erst die Pfote anbietet. Nun könnte ich ja ein anderes Sichtzeichen für Platz etablieren, aber ich sehe mich gerade nicht in der Lage umzudenken – und dann müsste ich mir auch noch merken, welches Platzzeichen für Enki und welches für Luna und Paula ist. Daher hoffe ich, dass Enki schlauer ist als ich und den Unterschied noch rausbekommt.

The Name Game

Beim Name Game wird nun nach und nach die Ablenkung erhöht. In Momenten mit wenig Ablenkung sollen wir die Bestärkungen abwechseln.

Die Anfänge des Name Games gab es schon im ersten Teil:

In 6 Wochen zum Familienhund? – Teil 1 unserer Hundeerziehung

Lass es

Das „Lass es“ wird nun nicht mehr nur mit Sachen in meiner Hand geübt, sondern auch mit Sachen, die auf dem Boden vor mir liegen.

Bleib

Auch beim Bleib wird weiterhin entweder Dauer oder Entfernung oder Ablenkung erhöht. Außerdem üben wir jetzt auch Bleib im Platz und nicht mehr nur im Sitz.

Four on the Floor

Ziel des Four on the Floor ist, dass sich der Hund automatisch setzt wenn Besuch kommt. Da wir jedoch wirklich abgeschieden wohnen und nur selten Besuch bekommen, ist diese Übung nicht auf meiner Prioritätenliste gelandet. Es ist gut zu wissen, wo ich eine Anleitung finde, wenn ich das mal möchte. Aber im Moment haben wir diese Übung beendet. Natürlich achte ich weiterhin darauf, dass sie mich beim Heimkehren nicht anspringen. Das ist schon Herausforderung genug für die beiden Chaoten.

Bei Fuß

Diese Woche nehmen wir die Leine hinzu und laufen nicht mehr nur im Kreis, sondern in zufälligen Mustern durch die Gegend.

Zu mir, Attention Game, Warte

Bei Gelegenheit werden diese Übungen weiterhin im Alltag eingestreut, es liegt aber kein Hauptfokus auf ihnen.

Die sechste und letzte Woche Hundetraining

Zu Beginn des letzten Kapitels geht es darum, dass Hundetraining niemals abgeschlossen ist. Sie gibt Tipps, wie all ihre Übungen in den Alltag integriert werden können und regt an darüber nachzudenken, wie gut unser Hund erzogen sein muss. Wieviel Gehorsam wünschen wir, wieviel brauchen wir für den Alltag und wieviel Zeit können wir investieren.

In der Theorie geht Patricia McConnell darauf ein, wie wichtig Grenzen sind. Sie macht einen klaren Unterschied zu Dominanz und betont, dass Regeln, Grenzen und Höflichkeit ebenfalls Dinge sind, die unser Hund lernen muss. Der Umgang mit Frustration will genauso erlernt sein, wie Impulskontrolle.

Sie erklärt das Schema hinter ihren Übungen, damit wir eigene Übungen aufbauen können und betont wie wichtig kontinuierliches Üben ist, damit wir irgendwann auf dem Level ankommen, das wir erreichen wollen.

Training involves rewiring both you and your dog’s brain, and that won’t happen if you don’t get in a lot of practice.

The Name Game

Das Aufmerksamkeitsspiel wird jetzt bei jeder sich bietenden Gelegenheit gespielt und Patricia warnt, dass wir nun zu diesen Hundebesitzern werden, die in jeder Tasche Leckerchen haben.

Lass es

Diese Woche drehen wir die Übung um. Wir sagen „Lass es“ und werfen erst dann etwas auf den Boden, das ignoriert werden soll. Das Belohnungsleckerchen muss natürlich extra toll sein. Wenn der Hund das Leckerchen auf dem Boden nehmen möchte, setzen wir Body Blocks ein, um ihm den Weg zu versperren.

Bei Fuß

Es wird weiterhin mit der Leine gearbeitet. Zu Beginn den Hund ins Sitz bringen und dann in willkürlichen Mustern loslaufen. Weiterhin soll der Hund uns folgen und wir der Versuchung widerstehen, ihn ran zuholen. Viel Lob und Leckerchen, wenn der Hund bei Fuß läuft. In den nächsten Wochen wird die „bei Fuß“ Zeit bevor es ein Leckerchen gibt nach und nach verlängert.

Eingeführt haben wir das bei Fuß laufen im zweiten Teil:

In 6 Wochen zum Familienhund – Teil 2

Bleib

Das Bleib wird nun auf einen längeren Zeitraum von 10 bis 20 Sekunden ausgeweitet. In anderen Trainingseinheiten wird die Distanz nach und nach erhöht. Distanz und Dauer sollten erst sehr spät gemeinsam in einer Übung erhöht werden.

Zu mir

In dieser Woche rückt der Rückruf wieder mehr in den Fokus. Das ist ein Schema, das sich für das zukünftige Training auch sehr empfiehlt. Jede Woche einige Schwerpunktübungen zu wählen und nicht alles zu üben. Nach wie vor soll der Rückruf Spaß machen und spielerisch angegangen werden. Wenn der Hund nicht hört, lieber etwas näher rangehen, bis man die Aufmerksamkeit hat. Dann erneut rufen.

Warte

Auch das Warte steht diese Woche wieder im Fokus und sollte an unterschiedlichen Türen geübt werden. Ziel dieses Woche ist, dass du nicht mehr mit dem Rücken zur Tür stehst, um deinen Hund zu blocken, sondern ihr beide Richtung Tür blickt.

Attention Game, Four on the Flour, Sitz und Platz werden bei Gelegenheit mit geübt, diese Woche liegt der Schwerpunkt aber nicht auf diesen Übungen.

Damit endet das Buch, Enkis und meine Reise jedoch noch lange nicht. Wir haben gerade erst begonnen.

Abschließen möchte ich mit den letzten Worten von Patricia McConnell aus ihrem Buch:

And so… here’s to a long, wonderful life for both you and your dog, and to practicing and playing together to forge the relationship you want. Give your dog a sloppy kiss for putting up with the strange species that we call human, and give yourself a bar of chocolate for your commitment and devotion to your dog. May he grow into the dog of your dreams … and never roll in the mud ten minutes before company comes.

Wenn du fleißig mit uns trainieren möchtest, habe ich hier noch eine kleine Besonderheit für dich. Um den Überblick nicht zu verlieren, habe ich mir Kärtchen gebastelt. Du kannst Dir die Übungen ausdrucken und auf kleine Karteikarten kleben. Unsere Newsletterfreunde haben sie ja bereits, für alle anderen geht es hier lang: Karteikarten Hundetraining

Falls du es verpasst hast:

Teil 1 Hundetraining: In 6 Wochen zum Familienhund – Teil 1

Teil 2 Hundetraining: In 6 Wochen zum Familienhund – Teil 2


Illustrationen wurden mit viel Liebe von Aram & Abra gestaltet und stehen dort kostenlos zum Download zur Verfügung.





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Bloggerin mit einem Faible für Fotographie.

9 Comments

  • Susanne
    18. Mai 2017 at 12:30

    Aaah, der neue Blog! Und die niedlichen Grafiken kenne ich doch auch woher *zwinkerzwinker* Ich finde es total spannend, diese Hundeerziehung aus einer anderen Sicht zu sehen. Ich mache es mir ja seit 10 Jahren leicht und schleife meine vierbeinigen Mitbewohner wöchentlich in die Hundeschule. Da wir Gehorsamkeitsübungen zu 70% in der Stadt und zu 30% im Wald/Freilauf machen, sind meine beiden in Sachen Gehorsam echte Vorzeigehunde. Die sind es schlicht gewohnt, immer und überall zu sitzen, zu platzen (muhaha) und zu warten.
    Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass sie GANZ GENAU wissen, ob jetzt Hundeschule angesagt ist oder Freizeit. Da ich in Sachen Hundetraining stinkefaul bin, üben wir wirklich nur 1x wöchentlich in der Gruppe mit anderen und andere Dinge nutze ich dann im Alltag. Wenn wir Gassi gehen, laufen die beiden immer ohne Leine, sie wissen aber auch, dass bei Fahrradfahrern, Joggern und Pferden (oft und viel) Fuß laufen angesagt ist.
    Und damit ich hier nicht falsch verstanden werde: Meine Hunde sind alles andere als perfekt im Alltag. Der Terrier kläfft ohne Ende wann es ihm beliebt, die Fluse ist völlig distanzlos und ich muss aufpassen, dass er nicht jeden in seiner Umgebung umwirft und kommt jemand mit Ballschleuder vorbei, habe ich gnadenlos ausgedient als Frauchen (für immer. Daran habe ich keinen Zweifel). Und der Terrier geht bei jedem Hund erst einmal auf Konfrontation bzw prescht vor. Man sieht also, gehorsam und alltagstauglich sind zwei Paar Schuhe 😀

    Liebe Grüße
    Susanne

    Reply
    • Stephie
      18. Mai 2017 at 14:51

      Liebe Susanne,
      jaaaa ich liebe Mara für diese wundervollen Illustrationen – möge ihr ewiger Ruhm sicher sein.
      Und genau was du beschreibst habe ich bei vorherigen Hunden auch kennengelernt: Ah, Hundeplatz – Gehorsamkeitsmodus an.
      Außerdem habe ich schnell mitbekommen, dass die „klassischen“ Erziehungsmethoden vom Hundeplatz bei Enki nicht funktionieren. Er pendelte dann immer zwischen „Ich checke gerade gar nichts“ und „Scheiße, jetzt habe ich Angst vor Dir“. Das konnte ich nicht ertragen und war auch nicht zielführend.
      Dann waren wir noch kurz in einer Hundeschule und hatten da Einzelstunden, aber das war als Lerneinheit zu viel und zu lang für Enki. Und mir hat es das Gefühl gegeben, ich müsste ansonsten nichts mehr tun, ich bin ja 1 x in der Woche in der Hundeschule. Hund überfordert, ich faul – wir haben also wieder nichts auf die Reihe gekriegt. Mit diesem „jeden Tag ein wenig“ habe ich das erste Mal richtig Spaß an dem Ganzen. Es ist für Enki und mich mehr Hobby als Schule und wenn wir mal einen Tag schwänzen macht das gar nichts. Viele der Übungen sind inzwischen sowieso in den Alltag integriert, sodass es „gar nichts“ eigentlich nicht mehr gibt. Das früher zwar auch schon so, aber da ist es irgendwie passiert. Dieses Mal habe ich das erste Mal ein Konzept dazu im Kopf und mache es bewusst. Mal schauen, wie es in einem Jahr aussieht. Wie Enki und ich uns dann damit fühlen.
      Herzliche Grüße
      Stephie

      Reply
  • Schätersky und Frauchen
    18. Mai 2017 at 20:52

    Herzlichen Glückwunsch, du hast ja doch Geduld! 🙂
    Freut mich, dass ihr Erfolg hattet. Interessanterweise ist bei uns auch Platz das einzige Signal, bei dem das Hörzeichen besser funktioniert als das Sichtzeichen. Kalle verwechselt letzteres allerdings nicht mit Pfote, sondern mit Touch. Deshalb habe ich ein drittes Signal eingeführt: rechtes Knie leicht anwinkeln. Damit ist die Unterscheidung jetzt leichter für ihn. Nur muss ich jetzt aufpassen, wann ich mein Knie anwinkle, denn mittlerweile legt er sich schon auf dieses Signal alleine hin…
    Manchmal ist es kompliziert.

    Herzliche Grüße,
    Nora

    Reply
    • Stephie
      21. Mai 2017 at 22:53

      Oh sorry, in diesem ganzen Blogumzugstress ist dein schöner Kommentar einfach untergegangen. Ich stelle mir gerade mich vor der Haustür vor – in einer Hand den Einkauf, die andere gestreckt für Lunas Platz. Für Enki winkel ich das Knie an, den Schlüssel zwischen den Zähnen. Und plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen – ja, Yoga macht Sinn. 😀

      Reply
      • Schätersky und Frauchen
        22. Mai 2017 at 20:41

        Es gibt keine Verpflichtung, jeden Kommentar sofort zu beantworten, glaube ich. 🙂

        Stell dich mal nicht so an. Man darf keine Mühen scheuen, um es seinem Hund so einfach wie möglich zu machen. 😉

        Reply
  • mianoe
    21. Juni 2017 at 21:04

    Klingt nach einem super und sinnvollen Training 🙂 Und genau – was ist schon der „perfekte Hund“? Wichtig ist doch, dass die Kommunikation zwischen unserer Fellnase und uns funktioniert ❤

    Reply
    • Stephie
      21. Juni 2017 at 21:26

      Das stimmt. Hauptsache wir als Team funktionieren. Und dabei hat mir das Buch unglaublich geholfen.

      Reply
  • Max
    27. April 2018 at 10:58

    Ab jetzt werde ich diesem Blog folgen 🙂

    Reply
    • Stephie
      27. April 2018 at 14:20

      Hallo Max,

      vielen dank, das freut mich sehr.

      Herzliche Grüße

      Stephie

      Reply

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