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Hundetraining

Hundetraining – braucht man da etwa Geduld?

Ich habe mir sagen lassen, Einsicht sei der erste Schritt zur Besserung. Und daher gestehe ich hier und heute offen vor aller Welt: Ich habe ein echtes Problem mit dem Hundetraining. Ich bin nicht geduldig! Wenn jemand eine Gruppe der anonymen Ungeduldigen kennt, ich komme gerne zum nächsten Treffen.

Ich lese viel, ich lerne gerne und ich will immer mehr wissen und Antworten auf meine Lieblingsfragen bekommen: Warum und wie? Daher habe ich viele Konzepte zum Hundetraining im Kopf, weiß in der Theorie, wie Hunde lernen. Wie ich etwas vermitteln möchte, welche Schritte nötig sind.

In der Praxis jedoch scheitert es immer wieder an meiner Ungeduld. Ich habe eine klare Vorstellung, wie das mit mir und meinen Hunden laufen soll und so soll es bitte sofort laufen. Klar weiß ich, dass dazu viel Zeit und Training nötig sind. Aber eben nur theoretisch. Praktisch setze ich es nicht um, bin schnell frustriert und werfe das Handtuch. Nur, um es dann reumütig nach ein paar Wochen wieder vom Boden aufzuklauben.

In der Theorie weiß ich auch, dass meine Ungeduld das Problem ist und ich daran arbeiten muss. Egal, ob es um das Hundetraining oder neue Hobbys geht. Falls einer von Euch mitbekommen hat, dass ich Anfang Januar mit dem Lauftraining begonnen habe, fragt jetzt bitte nicht, wie es damit steht.

Bisher haben meine Konzepte im Kopf immer gereicht. Vielleicht war es die Macht der Visualisierung, vielleicht die hellseherischen Fähigkeiten meiner vorherigen Vierbeiner. Aber nach einer Weile lief mit meinen Hunden immer alles so, wie ich es mir wünschte. Und wenn nicht, war ich Meisterin des Managements. Wie zum Beispiel bei unserer ersten Hündin, die keine Teenager-Jungs oder draufgängerische andere Hunde leiden konnte. Oder Paula, die andere Menschen und Hunde an der Leine verbellt hat. Einfach Leine losmachen und dann war Ruhe und alles lief (Ja, das waren andere Zeiten. Da konnte ich sie einfach von der Leine lassen, ohne mir Gedanken zu machen, ob ich jetzt eine schlechte Hundehalterin bin). Und beide hat das Alter sehr viel friedlicher werden lassen, die Probleme hatten sich von allein erledigt. Jamie hatte so einen will to please, dass er wohl wirklich Gedanken lesen konnte und Luna wurde glücklicherweise von den Vorbesitzern gut erzogen.

Wir bekommen den Hund, den wir brauchen

Und dann kam Enki! Denn wir bekommen ja immer den Hund, den wir brauchen, oder? Enki ist so ein problemloser Hund, dass ich mit ihm alle Chancen habe, ohne Management durchs Leben zu gehen. Er mag andere Menschen und Hunde gleichermaßen. Er hat vor wenig Angst (Fliesen lassen wir mal unter den Tisch fallen) und kann sich auch unterordnen, wenn es denn unbedingt sein muss. Ressourcen verteidigt er in der Regel nicht und kann problemlos neben anderen Hunden fressen, ohne hektisch oder aggressiv zu werden. Er jagt nicht, bettelt nicht beim Essen und auch ansonsten fallen mir keine Probleme ein. Außer der Baustellen, die ich selbst gemacht habe und die uns das Leben zur Hölle machen.

Er geht nicht an der Leine, sondern zieht wie ein Berserker. Mein erster Artikel dazu ist schon 8 Monate alt. Hat sich etwas geändert? Nein, wie auch. Ich habe immer wieder mit dem Training begonnen und es dann nicht durchgezogen. Und er findet ziehen super. Er bleibt nicht, sondern prescht nach vorne. Das Leben ist ja so aufregend, da muss man immer in die erste Reihe. Auch Sitz hält er nicht lange durch. Ein kurzes Bodentouchée mit dem Poschi, Leckerchen schnell geschluckt und weiter geht die wilde Jagd nach Abenteuer.

Platz konnte er übrigens ewig nicht. Ich habe vergessen, es ihm beizubringen. Und nein, das sind nicht meine grauen Haare, das ist die Asche auf meinem Haupt. Aber dafür kann er schon „Dreh Dich“. Das macht ja auch viel mehr Spaß und ist so schön actiongeladen. Den Rückruf konnte er super – vor Monaten. Inzwischen hat er ihn wieder vergessen, die Worte aus meinem Mund sind weißes Rauschen in seinen Ohren.

So, hier steht es nun schwarz auf Weiß – mein Eingeständnis der Schande.

Neue Wege im Hundetraining

Was hat mich also zum Nach- und hoffentlich Umdenken gebracht?

Meine beste Freundin hat sich ein Pferd gekauft. Ein paar Monate, nachdem wir Enki bekommen haben. Sie hatte als Teenie schon mal ein Pony, aber dann ewige Zeit nicht. Und nun war es kein erwachsenes Pferd, sondern ein junges. Ein Pferd, dem sie alles beibringen muss. Bei dem es noch Jahre dauern wird, bis an Reiten zu denken ist. Und wenn Probleme auftauchen sollten, kann sie niemanden verantwortlich machen, außer sich selbst. Sie liest wie eine Verrückte und hat sich zwei tolle Trainerinnen organisiert. Fast jeden Tag üben sie und ihr Pferd zusammen und machen kontinuierlich Fortschritte.

Und ich höre mir ihre Erlebnisse an und suche Parallelen zu mir und Enki – vergeblich. Denn ich habe nicht ihre Ausdauer. Da sie aber eigentlich auch zum Club der anonymen Ungeduldigen gehört (eine der Gemeinsamkeiten, die uns schon seit der Schulzeit zusammenschweißt), muss ich mir die Frage gefallen lassen, warum sie das auf einmal hinbekommt. Wie sie es schafft Tag für Tag, Woche für Woche die Geduld aufzubringen, mit nur kleinen Fortschritten zu leben und trotzdem weiter zu machen. Ihr habe ich diese Frage noch nicht gestellt, aber ich kann mir vorstellen, dass es einerseits mit dieser plötzlich so großen Verantwortung zu tun hat, andererseits aber auch das Wissen ist, dass es sowieso Jahre dauern wird. Allein aufgrund des Alters und der Entwicklungszeit von Pferden.

Ich habe nun die Reißleine gezogen und alle anderen Vorhaben (wie das Joggen) auf Eis gelegt. Ein Stück weit betrifft das auch den Blog, daher war es in letzter Zeit etwas ruhiger. Enki und ich üben, jeden Tag ein wenig, so lange es uns Spaß macht. Ein Ziel habe ich nicht definiert, zumindest nicht zeitlich. Mein Tagesziel ist das lächelnde Gesicht von Enki, wenn er etwas verstanden hat. Oder wenn er Übungen präsentieren darf, die er schon kann.

An unserem Leinenproblem arbeiten wir jetzt mit einer neuen Methode. Nicht, weil die alten Methoden nicht funktioniert haben, sondern weil sie für mich verbrannte Erde sind, da ich sie nicht durchgehalten habe. Die Methode ist von Susanne von Stressless Dogs und ich führe Enki langsam mit einem Leckerchen am Knie, Schritt für Schritt. Das Konzept ist für mich schwer zu beschreiben, Susanne musste es mir ein paar Mal zeigen. Aber ihre Methode funktioniert für Enki und ist für mich genau richtig, weil sie langsam und ruhig ist. Also der höchstmögliche Trainingseffekt für mich. Ja Susanne, lach Du nur.

Ansonsten üben wir, dass Enki mit seiner Aufmerksamkeit bei mir ist und mich anschaut und wir üben Sitz und Platz. Mehr nicht. Das Ganze im heimischen Garten, ganz ohne Ablenkung und Überforderung. Erst wenn es sich gut und sicher anfühlt, werde ich das Training etwas ausweiten, immer in Babyschritten.

Und wenn Enki erst der perfekte Begleithund ist, wenn meine Freundin ihr Pferd reiten kann, dann ist das so. Ich werde mit Enkis Hilfe lernen, wie ich mit Geduld in kleinen Schritten übe und dranbleibe.

Da mir bisher meine gewünschte Gruppe der anonymen Ungeduldigen nicht bekannt ist, werde ich mit meiner Freundin sprechen und sie als psychische Unterstützung ins Boot holen. Und ich werde Euch in regelmäßigen Abständen berichten.

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Bloggerin mit einem Faible für Fotographie.