Hundetraining & Auslastung

Hundepfeife – der Retter in der Not

Hundepfeife titel

Der Rückruf ist für uns Hundehalter das wohl wichtigste Signal, das der Hund können muss. Egal, ob das laut gebrüllte „HIIIIER!“ auf dem Hundeplatz oder die intermittierende Variante mit „Hierher Fiffi, ja, ja, ja, fein, fein, fein, guter Junge!“ eigentlich ist es egal, was wir rufen. Wir können auch „Donut“ oder „Nun komm aber her Mistviech!“ über die Hundewiesen dieser Welt brüllen. Letztens schrieb mir jemand, dass eine Freundin als letzten Notanker „Süderstraße“ ruft. Wer Hamburg kennt, weiß, dass das unser größtes Tierheim in der Stadt ist. Bei ihrem Hund funktioniert es, er erkennt wohl den Ernst der drohenden Auszugslage. Und die Belustigung der Umstehenden ist garantiert.

Das einzige was zählt ist, dass Hund kommt wenn er soll. Direkt, ohne Umwege auf kürzestem Weg zu mir.

Und genau da scheitert es häufig, wenn die Ablenkung zu verführerisch ist. Bei Luna ist das der in Aussicht gestellte Rehbraten, über den ich sie mit allen Keksen der Welt nicht hinwegtrösten kann. Und da wir in einem Naturschutzgebiet mit gefühlt mehr Rehen als Bäumen wohnen, ist die Verlockung täglich groß.

Hundepfeife als Rueckruf

Wie bestellt und nicht abgeholt

Warum kommt Hund nicht, wenn wir nach ihm rufen und lässt uns wie ein ungewolltes Blinddate am Feldrand stehen, ihm laut hinterher rufend und heulend? Und das, obwohl wir wieder und wieder Zuhause oder in der Hundeschule geübt haben und es ansonsten eigentlich immer funktionierte?

Die Antwort ist so schlicht wie mächtig: Das Leben ist woanders spannender!

Wenn ich merke, dass bei Luna die Jagdinstinkte wach werden, habe ich nur ein paar Millisekunden bevor sie los prescht. Und dann kochen in mir binnen Sekunden Horroszenarien hoch. Der Jäger erwischt sie. Es ist kein Reh sondern eine wütende Wildsau. Auf dem Weg zum Reh begegnet ihr ein Radfahrer, den sie noch schmackhafter findet. Und die Frage aller Fragen: Warum verflucht habe ich mich entschieden, ihr diesen Moment Freiheit zu gönnen. Ich müsste es doch besser wissen. Und all das trage ich in meiner Stimme, wenn ich aus vollen Lungenflügeln „Zu mir“ hinter der freudig im Wind wehenden Schwanzspitze meines Hundes hinterher brülle. Lunas Gedanken braucht sie mir gar nicht zu diktieren. „Oh je, die Alte will mir schon wieder den Spaß verderben und denkt, mit einem Kekspflaster wäre es wieder gut. Dann muss ich wieder ewig nur an der Leine Enki hinterher sehen und jeder Spaß wird im Keim erstickt. Jetzt nicht, alte Spielverderberin. Ich will Spaß, ich geb Gas!“

Die Hundepfeife – unemotionale klare Ansage

Und hier kommt mein liebstes Accessoire, die Hundepfeife, ins Spiel. Sie ist unemotional. Sie verrät mich nicht. Weder den in mir tobenden Tumult noch die nachfolgenden Repressalien. Sie tönt immer in gleicher Weise durch den Wald mit nur einer klaren Ansage: „Beweg deinen A*** sofort und unverzüglich zu Frauchen!!!“ Außerdem ist die Hundepfeife auch auf lange Distanzen von Hund gut hörbar.

Das funktioniert. Wieder und wieder. Ertönt der Pfiff, ist Luna Meisterin der 180 Grad Wende auf einer Briefmarke und fliegt so schnell auf mich zu, dass ich schon so manches Mal versucht war um mein Leben zu rennen.

Hundepfeife als Rueckruf

Magie? Oder doch nur Geduld?

Mühsam habe ich den Rückruf im Garten aufgebaut. Jedes Mal wenn sie angelaufen kam, gab es Fleischwurst oder Gouda. Als es zuverlässig funktionierte, habe ich die Leckerlies nach Beliebtheit aufgereiht und je nach Reaktionsgeschwindigkeit gab es etwas anderes.

  • Joa, dann mal ab zu Frauchen – Tor 1: Ein Brocken Trockenfutter
  • Oh, schnell zu Frauchen – Tor 2: Ein Stück Gouda
  • Schneller, schneller, schneller, ich fliiiege! – Tor 3: Ein Stück Fleischwurst.

Und für die Momente, wo sie alles gegeben hat um schneller zu sein als Lichtgeschwindigkeit und ich fast den Knall eines Düsenjets gehört habe, wenn er die Schallmauer durchbricht – ein ganzes Wiener Würstchen und ein paar Goudabrocken on top. Cordon Wurst sozusagen.

Ein Jahr habe ich das Spiel gespielt, bevor ich die Hundepfeife das erste Mal auf den Außeneinsatz mitgenommen habe. Manches Mal stand ich während dieses Jahres am Feldrand und habe mich gefragt, ob ich sie nicht doch besser mitgenommen hätte. Ob ich sie nicht doch schon genug konditioniert habe. Aber wenn ich dann wieder glücklich mit Hund Zuhause war und ich mich horchte sagte alles „Es ist noch nicht so weit“.

Sicher musst du kein Jahr im Garten trainieren. In der Regel werden ein paar Monate empfohlen. Aber ich wusste, falsch eingesetzt und zu früh missbraucht mache ich mir alles wieder kaputt. Und daher zählte für mich einerseits mein Bauchgefühl, andererseits mein Kalender mit dem gesetzten Jahr. Einmal alles richtig machen war hier meine Devise!

Eine Hundepfeife erkundet den Wald

Dann endlich habe ich sie mit nach draußen genommen. Zusammen mit der Schleppleine und drei Tütchen mit unterschiedlichen Leckerchen. Auch das Spiel haben wir bestimmt 6 Monate gespielt, bis ich mir sicher war. So richtig sicher, dass sie beim Ertönen der Pfeife keine Sekunde auf Nachdenken verschwenden wird.

Und wenn wir jetzt im Wald unterwegs sind und ich auf die denkbar doofe Idee komme, dass sie auch mal einen Moment Freiheit genießen soll, dass bestimmt kein Wild in dieser Ecke des Waldes unterwegs ist und sowieso, dass meine Bindung zu ihr inzwischen tiefer reichen würde als jeglicher Jagdtrieb… Dann hole ich meine Hundepfeife raus und Luna schießt auf mich zu, ganz brav im Pawlowschen Reflex schon nach der Wurst sabbernd.

Hundepfeife als Rueckruf

No-Gos – auch für Ehegatten

Nie nimmer nie nicht wird die Hundepfeife, oder besser die Rückkehr nach Pfiff, nicht belohnt. Ich schleiche das nicht aus, dafür ist es mir zu wichtig. Es ist mein absoluter Notanker.

Und ich war so eindringlich, dass der Gatte sie lieber gar nicht erst benutzt als Ärger von mir zu bekommen, weil er am Ende keine Leckerchen verteilt hat.

Das zweite No-Go ist die Belohnung. Wenn sie im Wald den Rehbraten für die Pfeife ziehen lässt, gibt es keinen Keks. Es gibt Wurst – immer! Nur beim Training im Garten gibt es ab und an Kekse, wenn sie nicht schnell genug fliegt.

Dafür habe ich extra ein paar kleine Belohnungswürste mit langer Haltbarkeit aus dem Tierfachhandel. Wenn sie angeflogen kommt, findet sie es nicht schlimm einen Moment zu warten, bis ich ausgepackt habe. Und Zuhause ersetze ich diese Notwurst in der Tasche direkt durch eine neue. Für das nächste Mal, wenn ich wieder wie bestellt und nicht abgeholt am Feldrand stünde – würde mein Hund nicht so ungeheuer gut auf die Hundepfeife hören.

Hundepfeifen - welche gibt es

Die richtige Hundepfeife

Es gibt eine Unmenge an Hundepfeifen. Die bekanntesten sind wohl die aus Metall, die aus Plastik und die aus Büffelhorn. Ich besitze sie alle, benutze aber nur noch die aus Plastik. Hier kann ich in der gleichen Frequenz Pfeifen nachbestellen und ich mag die Handhabung und Optik. Unser Modell ist von Acme*, dem wohl bekanntesten Hersteller.

Die Büffelhornpfeife* mochte ich weder vom Ton noch lag sie gut in der Hand. Und das Mundstück war mir zu kurz. Wenn ich mir in der oben beschrieben Hektik auf dem Weg zur Panik die Pfeife in den Mund schiebe, kann es sein, dass ich keinen richtigen Ton rausbringe.

Die Hochfrequenzpfeifen* aus Metall mag ich auch nicht. Für uns ist der Ton nur schwach hörbar und ich kann nicht klar erkennen, ob mein Pfiff so ist wie er sein soll. Wenn man jedoch in Wohngebieten zu den für Hundehalter üblichen unchristlichen Zeiten unterwegs ist, kann so eine Pfeife Sinn machen. Irgendwann, irgendwo habe ich mal aufgeschnappt, dass die hochfrequenten Töne das Wild stören sollen. Aber leider finde ich dazu nichts und kann dir nicht sagen, ob da etwas dran ist.

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2 Comments

  • Hallo Stephie!

    Ich hab deinen Artikel gerade wie gebannt gelesen und musste einige Male herzhaft auflachen. Ich kenne das Gefühl, welches du am Anfang beschreibst nur zu gut. Ich war in der glücklichen Lage, dass Flummi von Anfang an den Rückruf beherrschte. Nach der anfänglichen Euphorie erkannte ich dann, leider zu spät, dass Flummi nur ohne Ablenkung zuverlässig kommt. Darum heißt es wieder üben, üben, üben. Am Freitag starten wir in der Hundeschule einen neuen Kurs, wo wir im Einzeltraining den Rückruf auch unter extremer Ablenkung (laufender Hase) lernen werden. Ich bin gespannt und bin aber jetzt schon mehr als Dankbar für deine Erfahrungen! Ich bin ganz begeistert von den Stufen der Reaktionsgeschwindigkeit und werde das gleich mal auf meine To Do Liste schreiben. Da hapert es nämlich auch teilweise.

    Liebe Grüße,
    Kerstin & Flummi

    • Liebe Kerstin,

      ich drücke euch die Daumen für den Kurs in der Hundeschule. Meine sind ja leider immer Meister und Streberhunde, wenn wir in der Hundeschule sind. Kaum Zuhause haben sie dann alles wieder verlernt.
      Hunde und ihr situatives Lernen – schon ein Fluch manchmal. 😉

      Herzliche Grüße
      Stephie

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