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Hundetraining

Ein Jahr Enkman

Der schönste Hund der Welt! <3

Ein Hund aus dem Tierschutz

Im Februar letzten Jahres kam Enki zu uns. Er kam mit einigen Problemen, was für einen rumänischen Straßenhund aus dem Tierschutz ja nicht unüblich ist. Die kaputte Hüfte, zu wenig Muskelmasse für sein Alter, schlechter Allgemeinzustand, Angst vor weißen Fliesen, um nur ein paar Dinge zu nennen. Aber woran ich mich am besten erinnere, ist der Gestank. Trotz mehrfachem Badens ging der nicht weg. Er kam aus jeder Pore, süßlich, muffig, vergammelt. Seine erste Woche bei uns musste er mit ins Büro, da der Lieblingsmann erst danach Urlaub hatte und ich keine Chance auf spontanen Urlaub. Tapfer haben meine Kolleginnen diesen Gestank in unserem kleinen Gemeinschaftsbüro ertragen und das, obwohl nur eine von Ihnen ebenfalls ein Hundemensch ist. Noch heute lachen sie darüber, dass so ein (damals) kleiner Hund so stinken konnte. Mit Kräutern zur Entgiftung und ordentlichem Futter war der Spuk ein Glück nach ein paar Wochen vorbei. Heute duftet Enki wie der Pelzmantel meiner Großmutter (die einzige Extravaganz, die sie sich je gönnte).

Die ersten Wochen

In der ersten Zeit konnten wir jede Woche Meilensteine feiern. 15 kg, 15.5 kg, 16 kg. 10 Minuten, 15 Minuten, 20 Minuten Spaziergang. Der kleine Enki hatte jedoch die Attitüde eines erwachsenen Hundes und sehr ernste Augen. Daher nannte ich ihn am Anfang immer „kleiner Mann“, woraus sich irgendwann der Enkman entwickelte. Heute wiegt er stattliche 25 kg bei fast 10 cm Größenwachstum und läuft bequem zwei Stunden mit mir durch die Gegend ohne zu humpeln.

Erfahrungen Hund aus dem Auslandstierschutz, aus Rumänien

Wir hatten Glück, Enki hatte keine Angst vor Menschen. Auch wenn sein Hüftschaden durch Menschenhand entstanden sein muss, hatte er wohl sonst nicht viel Kontakt zu Zweibeinern. Nachdem er dann bei uns rausbekommen hat, was wir mit unseren opponierbaren Daumen so alles anstellen können, war es um ihn geschehen und er vergöttert Zweibeiner. Mit jedem möchte er gerne toben und kuscheln.

Verschmuster Enkman

Überhaupt ist Enki der kuscheligste Hund den ich kenne. Er krabbelt ganz dicht ran, am besten noch direkt auf den Schoß. Je fester man ihn im Arm hält, desto entspannter wird er. Ganz im Gegensatz zu Luna, die zwar auch gerne kuschelt, jedoch generell etwas Individualdistanz schätzt. Morgens wenn ich aufwache, hat er sich zwischen den Lieblingsmann und mich gequetscht. Auf dem Rücken liegend, die Beine in der Luft, dreht er den Kopf zu mir und grinst. Im Ernst, er grinst. Kurz danach habe ich seine Zunge im Gesicht, bin hellwach und fluche vor mich hin. Das ist der Startschuss für ihn und Luna mit der morgendlichen Toberei über das Bett zu beginnen, die dann wiederum den Lieblingsmann weckt und zum Fluchen bringt. Wenn ich es dann bis in die Küche geschafft habe und endlich der ersehnte Kaffee vor mir steht, versucht Enki auf meinen Schoß zu krabbeln. Die zweite morgendliche Kuschelrunde ist eingeläutet.

Erfahrungen Hund aus dem Auslandstierschutz, aus Rumänien

Schwere Zeiten

Nach Jamies Tod hatten wir eine schwere Zeit. Der Lieblingsmann und ich haben den Kopf nicht aus dem Trauermorast bekommen und Enki wurde immer aufsässiger und unerträglicher. Alles bis hin zum Beißen, um etwas Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber je mehr wir uns wieder auf ihn einlassen konnten, desto besser wurde es. Und dann kam Luna und seine Welt war wieder gerade. Zwei Zweibeiner als Familie und die hübscheste Vierbeinerin der Welt als Freundin. So ließ er sich das Leben gefallen. Nach Lunas endgültigem Einzug gehörte auch sie sofort zur Familie. Nicht ein Mal gab es Konkurrenz oder Eifersucht zwischen den beiden.

Erfahrungen Hund aus dem Auslandstierschutz, aus Rumänien

Ausgelassene Lebensfreude

Enki wurde immer mutiger. Er entdeckte das Klettern für sich und fasste Zutrauen zu seinen Gliedmaßen. Inzwischen ist ihm nicht mehr anzumerken, dass er überhaupt ein Problem mit der Hüfte hat. Man kann es nur noch erfühlen. Er rennt und tobt mit Luna und kann locker mit ihrem Hütehundtempo mithalten. Nur beim Hakenschlagen ist Luna besser und entkommt ihm so immer wieder. Konstant fordert er sie oder auch uns zum Spielen auf. Schleppt Spielzeug an, zieht an den Haaren und bellt auffordernd. So lange, bis sie endlich nachgibt. Seinen zweiten Spitznamen „Dickmops“ hat er nicht etwa, weil er ein Gramm Fett zu viel hätte, sondern weil er sich immer so dicke mopst. Falls dir das nichts sagt: In Norddeutschland sagen wir „jemand mopst sich“, wenn sich jemand sehr langweilt.

Auch Geräusche machen ihm nichts mehr aus. Er erschreckt sich kaum noch und selbst wenn Luna Alarm bellt, horcht er erstmal ruhig, ob er ebenfalls Grund zur Aufregung sieht. Meist ist das nicht der Fall und wenn doch, nehme ich ihn sehr ernst.

Erfahrungen Hund aus dem Auslandstierschutz, aus Rumänien

Leinentraining

Ach ja, die Leine. Das war und ist eines unserer großen Probleme. Lange habe ich gebraucht um ihm klar zu machen, dass wir gemeinsam in meinem Tempo an der Leine unterwegs sein und trotzdem Spaß haben können. Endlich klappte es und dann trafen wir uns mit Susanne von Stressless Dogs in ihrem Terrain. Und siehe da, neue Personen, neue Umgebung, neue Regeln. Ich habe das Mitleid in Susannes Augen gesehen. Die ganze Stunde war ich für Enki nicht existent, nur ein Hemmschuh am anderen Ende der Leine. Also Leinentraining von vorne, diesmal mit wechselnden Gebieten und bald auch mal wieder mit Susanne. Unabhängig vom Leinentraining lernt Enki jedoch sehr gerne. Wenn er dann etwas Neues beherrscht, bietet er es mit Begeisterung an.

Erfahrungen Hund aus dem Auslandstierschutz, aus Rumänien

Hund im Bett

Enki ist Tiefschläfer. Zum Glück haben wir Luna, denn nachts dürfen keine Einbrecher zu uns kommen. Der Lieblingsmann kommt immer nach uns ins Bett und er kann Enki gemütlich im Bett hin und her schieben, ohne dass er auch nur mit der Wimper zuckt oder aufhört zu schnarchen. Wir haben ihn auch schon mal von der Couch ins Bett im ersten Stock getragen, ohne dass er aufwachte. Als ich aber eine Erkältung hatte und alle paar Stunden aufgewacht bin, weil ich gefühlt keine Luft mehr bekommen habe, war er jedes Mal sofort wach und ist mit mir durchs Haus gestromert.

Rückblickend war es unsere beste Entscheidung, Enki aufzunehmen.
Ich liebe diesen Hund.

Stichworte : #enkiTierschutz
Stephanie Rose

Die Autorin Stephanie Rose

Bloggerin mit einem Faible für Fotographie.

15 Kommentare

  1. Wundervoll geschrieben! Viel Liebe in Deinen Zeilen! 🙂
    Toll, dass Ihr so ein starkes Team seid und Enki genau die Zwei- und Vierbeiner um sich herum hat, die er braucht und die gut für ihr sind!

    1. Ich danke Dir und bin gespannt wie Du ihn live findest. Ich glaube, ich glorifiziere den Kleenen vielleicht ein mu zu sehr. 😂

      1. König Enki kann man nicht genug glorifizieren!
        Außerdem ist doch jeder Hund irgendwie der Beste, man muss nur seine Begabung und seinen Charme finden und schon geht einem das Herz auf. 🙂

  2. Heute sind wir das erste mal auf eurem Blog unterwegs – und müssen sagen “ TOLL das ihr den kleinen stinke Enki aufgenommen habt“.

    Auch ich habe zwei Hunde aus dem Ausland / Tötungsstation.
    Beide haben auch sooooo wiederlich am Anfang gestunken – unfassbar.

    Umso schöner ist es wenn man genau solch eine tolle Geschichte lesen kann 🙂
    Das macht mich als Hundetrainerin gleich doppelt glücklich.
    Ich wünsche Euch noch viele schöne Jahre.

    Und wenn Ihr Lust habt, kommt mal auf unserem Blog vorbei 🙂

    Wuff, Deco und Pippa mit Frauchen Carola

    1. Hey, herzlich Willkommen und schön, dass es Euch gefällt.
      Witzig, dass Deine Beiden ebenfalls so gestunken haben. Da fragt man sich, was die Kleenen so alles entgiften müssen.
      Wir schauen immer wieder gerne bei Euch vorbei.
      Herzliche Grüße
      Stephie mit Enki und Luna

  3. Achje, wie schön Du das alles geschrieben hast <3 Ich bin inzwischen auch ein echter Fan von Deinem mopsenden Enkman.
    Ich musste herzlich lachen, als Du diese Mopssache erklärt hast. Bei uns heißt etwas mopsen nämlich etwas stehlen. Und bei uns im Haushalt gibt es noch den Ausdruck "das ist aber mopsig" oder "voll mopsig" im Sinne von "Das ist aber doof/blöd". Das ist allerdings ein Insider. Nunja, und dann gibt es noch die Mopsfluse. Also Mo, aka die Fluse, den ich gerne Mops oder Mopsi nenne. Aber auch nicht, weil er zu dick ist. Mit 43 kg wirkt man eben etwas mopsig. Und auch Mopsi mopst sich gerne und würde am liebsten den einen halben Tag kuscheln, den anderen Ballspielen. Für beides würde er sogar Essen stehen lassen.
    Hachja, die lieben Kleinen <3

    Liebe Grüße
    Susanne

    1. 🙂 Stimmt, mopsen als stehlen kenne ich auch. Aber da wäre dann eher Luna die Dickmopsine oder auch der Supermops. Enki steht meist daneben und wundert sich, wieso sie diesen Aufwand betreibt. Man kriegt doch sowieso alles, wenn man nur lange genug mit den Mandelaugen zwinkert.
      Schön auch Deine Erklärung zur Mopsfluse. Ich glaube, die Fluse und der Enkman hätten bannig viel Spaß zusammen.
      Herzliche Grüße
      Stephie

  4. Ich wünschte mir, dass jeder Hund, jede Katze und überhaupt jedes Tier, so geliebt würde, wie du diesen Hund liebst! Dann wäre endlich alles Tierleid auf dieser Welt beendet!
    Dein Beitrag ist wundervoll und mit so viel Liebe geschrieben, dass ich mir doch glatt ein Tränchen wegwischen musste.
    Alles Liebe für dich und deine Zwei- und Vierbeiner 🙋
    Gaby

    1. Liebe Gaby,
      da hast Du mich am Morgen so gerührt, dass mir die Worte fehlen.
      Vielen Dank für Deine schönen Worte.
      Herzliche Grüße
      Stephie

    1. Liebe Claudia,
      vielen Dank für Deine schönen Worte.
      „Mein rumänischer Freund“ ist süß.
      Zu seinem Glück hatte ich an der Uni zwei Semester Rumänisch. 🙂
      Toate cele bune (Herzliche Grüße)
      Stephie und Enki

  5. Ganz toll,dass Ihr einen solchen Hund geholt habt und keine Angst davor hattet,was die Zukunft mit ihm bringt.Ich habe einen portugiesischen Strassenhund seit 6 Monaten,er ist ein Prachtkerl und wir über täglich das „Komm“,im Haus gehts es aber draussen in er Natur sieht er und hört er mich nicht mehr.Aber mit viel guten Willen,viel Leckerli und ganz viel Liebe,werden wir auch das schaffen.Er ist mein Engel.
    Liebe Grüsse an all aus der Schweiz von Wilma und Snoopy

    1. Hallo Wilma,
      wir hatten Enki ja als erstes nur zur Pflege. Als wir uns entschieden haben (nach genau 3 Tagen Pflegestelle) wussten wir also, was für ein unglaublicher toller Kerl er ist.
      Ja, „komm“ ist immer wieder so ein Thema. Unter Ablenkung ist das nach wie vor nicht Enkis Lieblingsübung. 😉
      Ich wünsche Dir ganz viel Freude an deinem Snoopy.
      Herzliche Grüße
      Stephie

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