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Hundetraining / Leben mit Hund

Ein Kleinteil zieht ein

Welpe aus dem Tierschutz als Zweithund

Wie sind die ersten Tage und Wochen wenn ein Welpe einzieht? Eine Frage von der ich dachte, dass sie sich mir nie stellen würde. Bei uns sind bisher nur ältere Hunde eingezogen, Enki mit 6 Monaten war schon der jüngste Hund. Wie also kamen wir zu einem Welpen?

Border-Mix Welpen suchen Pflegestellen

Als wir Kane im Dezember auf einer Facebookseite entdeckten, wollten wir sofort Ja zu ihm sagen. Aber der Verstand schaltete sich ein und wir verwarfen den Gedanken wieder. Einerseits weil Enki und Luna gerade erst zu einem tollen Team geworden waren. Da wollten wir keine Unruhe durch einen weiteren Hund reinbringen. Andererseits war Luna gerade krank und wir wussten nicht, was sie genau hat. Und dann ist da noch die Frage der Kosten, die sich mit einem dritten Hund dann ja doch verdreifachen. Da ändert auch keine Hundeliebe und rosa Brille etwas dran.

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Vemittlungstext der Galgo Hilfe

Kurz nachdem Luna starb wurde uns klar, dass zeitnah ein neuer Hund einziehen muss. Enki kennt das Alleinsein nicht. Er trauerte um Luna, lag Stunden lang auf dem Sofa und starrte Löcher in die Luft. So sehr ich mich auch bemühte ihn abzulenken, das half immer nur im Moment der Aktivität, danach wurde weiter gestarrt.

Ein Wink mit dem Zaunpfahl

Eines Abends erinnerten wir uns an das Bild von Kane. Ich schaute auf der Seite der Galgo Hilfe nach, schrieb die Kontaktperson an und erhielt ein paar Stunden später eine überraschende Antwort. Alle Welpen aus dem Wurf hatten schon mehrere Interessenten. Nur für Kane hat sich noch niemand gefunden. Da es keinen offensichtlichen Grund gab, denn die Bilder sind alle süß und der Text war unter allen Welpen per copy&paste der gleiche, nahmen wir es als Wink des Schicksals mit dem Zaunpfahl. Und wenn einem das Schicksal etwas sagen möchte, sollte man zuhören.

Wir entschieden uns sofort, dass wir Pflegestelle mit Bleibeoption werden. Schon zwei Wochen später sollte Kane mit einem Transport aus Andalusien in Deutschland ankommen.

Ich kann keinen Welpen!

War ich anfangs noch entspannt, weil uns die Ereignisse irgendwie überrollten und Kanes Ankunft für mich eher ein theoretisches Konzept war, stieg mit näher rückendem Termin die Panik. Kane ist noch ein Welpe! Ich kann keine Welpen! Was fressen die, wie oft müssen die raus und wie lange?
Jetzt sollte man meinen, die zwei Monate Unterschied zu Enki seien nun wirklich nicht die Welt und mit 4 Monaten ist er ja kein wirklicher Welpe mehr. Aber für mich war es ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Ich holte mir bei ein paar Menschen Ratschläge und Buchempfehlungen, erstellte einen BARF Plan für das vom Verein vermutete Gewicht (übrigens sehr präzise, sie haben sich nur um 200 g verschätzt) und machte unser Haus welpensicher. Meine Firma ermöglichte mir 3 Wochen Urlaub und danach darf er für die ersten Monate mit ins Büro.

Was sollte Kane in den ersten Wochen lernen?

Ich erstellte einen Plan, was ich auf der Erziehungsebene am Anfang möchte. Denn das erste Mal kann ich so einen Zwerg wirklich von Anfang an begleiten ohne dass er schon irgendetwas Schlimmes erlebt hätte. Bisher war er 8 Wochen bei Mama und dann noch mal 8 Wochen mit seinen Wurfgeschwistern im Tierheim. Er würde nichts kennen, keine erwachsenen Hunde, kein Haus, keine Autos, keine Spaziergänge.

Mein Plan sieht vor ihm in Ruhe und mit Zeit neue Eindrücke zu präsentieren. Zurzeit ist das die nähere Umgebung, Fellpflege, sich überall berühren zu lassen und eine Welpengruppe, damit er auch andere Rassen kennenlernt. Beim Grundgehorsam wollte ich mich an „In 6 Wochen zum Familienhund“ längs hangeln, nur eben nicht in 6 Wochen, sondern mit mehr Zeit. Vor allem aber will ich ihm Grenzen vermitteln. Etwas, was ich bisher immer vernachlässigt habe. Impulskontrolle und in Räumen denken, das sind für das Erste meine Hauptziele.

Der Welpe zieht ein – und ist größer als gedacht

Nun ist er also da, Sonntag der 20.01.2019 12:00 Uhr. Eine sehr nette Frau vom Verein bringt uns Kane persönlich, da vorher keine Vorkontrolle möglich war.

Ich weiß nicht, was ich erwartet habe. Aber nicht das. Der Kleine kommt rein, rast freudig auf uns zu, verteilt Küsschen und Umarmungen und spielt dann mit Enki. Keine Zurückhaltung, ein strahlender Sonnenschein. Allerdings auch weit größer als gedacht mit noch viel größeren Pfoten. Ich bin wirklich gespannt, wie groß das Kleinteil am Ende sein wird.

Später am Abend setzten wir uns auf die Couch und sofort plumpste er dazu, suchte so viel Körperkontakt wie möglich. Mir ist klar, dass wir morgen über die Selbstverständlichkeit der Couch diskutieren müssen, aber an diesem Abend nach Stunden des Spielens genießen wir einfach alle zusammen das freudige herzliche kleine Etwas. Und schon steht felsenfest fest, der Kleine ist gekommen um zu bleiben.

Die erste Woche mit Kane

Montag hat der Lieblingsmann noch frei und wir starten gemeinsam in den Tag. Nach einer überraschend ruhigen Nacht ohne Unglücke. Das ist übrigens bis heute so, Kane schläft durch ohne zu müssen. Tagsüber gibt es noch das eine oder andere kleine Malheur, meist wenn ich nicht gut genug aufgepasst habe, weil ich gerade einen Blogbeitrag tippe. Aber alles in allem ist Kane schon verdammt stubenrein für ein 4 Monate altes Wesen, das kein Konzept von Drinnen und Draußen hatte als es kam. Den Rest der Woche verbringen wir zu dritt, Enki, Kane und ich.

Wir üben uns in Sitz, in „Ich bin ein Kane“, in Kommen, wenn ich schnalze und in respektvollem Abstand zu Enkis Futternapf – was die schwerste Übung für den kleinen Charmeur ist. Enki drückt die Vorschulbank gleich noch mal mit, denn bei ihm habe ich zu viel verpasst und er hat die Schule ohne Abschluss verlassen.

Ansonsten spielen wir zu dritt oder die beiden zu zweit und schlafen, was das Zeug hält. Um die beiden zur Ruhe zu bringen, setze ich mich oft mit ihnen auf die Couch, ein Hund rechts, ein Hund links. Der Lieblingsmann schaute etwas irritiert, als er die Abobestätigung für RTL Living im Mailpostfach hatte, aber hey, nichts beruhigt uns so sehr wie ein Jamie Oliver oder Nigella Lawson Marathon.

Die zweite Woche lässt schon Luft für anderes

In der zweiten Woche komme ich endlich zu etwas anderem als dem Kleinteil und Serien. Inzwischen pennt er auch einfach allein friedlich vor sich hin, das Haus hat die Spannung des Neuen verloren. Und auch Enki nutzt die Schlafenszeiten und fordert Kane nicht andauernd zum Spielen auf.

Wir gehen jetzt schon mal in den Wald und nicht nur unseren Weg auf und ab. Wir üben etwas Leinenführigkeit und dass Futter auf dem Boden meins ist, bis ich es freigebe. Er lernt, dass er nicht einfach in den Garten oder auch wieder hinein rasen darf, sondern an der Tür in Ruhe zu warten hat. Und dass die Küche nicht immer erlaubt ist, manchmal muss man auch da vor der offenen Tür warten. Ebenso lernt er respektvollen Abstand zu uns zu halten, wenn wir essen.

Kane hat endlich seine eigene Box bekommen und lernt jetzt die Vorzüge des eigenen Immobilienbesitzes mit Hilfe von Entenhälsen kennen. Und er lernt allein zu bleiben. Erst nur, während Enki mich zum Mülleimer begleitet, dann während Enki und ich Laufen gehen. Die beiden zusammen konnten schon in der ersten Woche während des Einkaufens gut allein bleiben. Aber ganz allein findet Kane noch doof.

Während die beiden schlafen komme ich auch endlich dazu meinen Blog zu überarbeiten und Beiträge zu schreiben. Nach dem Tod von Luna kam kurzfristig der Gedanke auf, alles einzustampfen. Sie war so ein integraler Bestandteil dieses Blogs. Aber jetzt bin ich froh, dem Impuls der Trauer widerstanden zu haben. Auch Kane wird hier mit wunderbaren Anekdoten einfließen, dessen bin ich mir sicher. Spätestens wenn die Pubertät ansteht und der kleine Sonnenschein zum Höllenfeuer wird. 😉

Wie kamen wir auf den Namen Kane?

Ein paar von euch haben mich schon gefragt, woher Kanes Name kommt.

Kane bedeutet im Gälischen der Krieger und im Walisischen der Schöne. Den Namen fand ich schon länger schön und direkt passend, als ich nur ein Foto sah. Damit hieß er vom ersten Gedanken an ihn so. Außerdem bedeutet Kane auf Hawaiianisch „Der, der aus dem Osten kommt“. Der Lieblingsmann kicherte, denn aus dem Osten kommend assoziierte er sofort mit dem Morgenstern und das wiederum mit Lucifer Morningstar, eine unserer Lieblingsserien. Noch prustend sagte er „Lucifer ist gebongt.“ Seine Assoziationskette musste er mir zwar erst erklären, aber so waren wir beide von Anfang an mit dem Namen einverstanden und haben uns keine Alternativen überlegt.

Nächste Woche nun steht das nächste Abenteuer an, Kane wird Bürohund. Ich bin gespannt, in wieviel Millisekunden er die Kollegen verzaubert und wie das alles wird.

 

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Bloggerin mit einem Faible für Fotographie.

4 Comments

  • Isabella
    11. Februar 2019 at 14:25

    So ein „Kleinteil“ macht nur für ein paar Wochen / Monate echte Arbeit … und das gut ist, wenn der Kerl mal ein Jahr ist, dann hast Du das total verdrängt 😉 Als Ende 2017 Shadow bei uns eingezogen ist war er ja nicht der erste Welpe – aber irgendwie konnte ich mich nicht daran erinnern, wie anstrengend die Kerlchen doch sein können. Und wenn Du mich jetzt fragst, die Zeit war total easy 😉
    Ich wünsche euch eine wunderbare gemeinsame Zeit – und ich bin sicher, es wird spannend, interessant, ruhig, nervenaufreibend und lustig … und es ist schön, dass Du dann den Blog hast, wo Du eben alles festhalten und auch nachlesen kannst.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

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    • Stephie
      18. Februar 2019 at 10:43

      Bisher macht Kane tatsächlich kaum Arbeit. Das finde ich schon unheimlich. 🙂 Ich bin richtig gespannt, wie es in der Pubertät wird.
      Und ja, auf den erwachsenen Kane bin ich noch viel gespannter. Er wird sicherlich ein wunderbarer Erwachsener.

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  • Sandra & Shiva
    17. Februar 2019 at 10:45

    Ich bin schon so gespannt, wie er in der Pubertät ist. Aber toll, dass er so aufgeschlossen gegenüber allem ist. So toll Shiva ist, sie war echt schwierig, weil alles neue erst mal GEFAHR bedeutete. Wer einmal 20 min im strömenden Regen vor einem Baumstumpf stand, weil Hund Anfangs Panik davor hatte, der weiß, was Anti-Angst-Training bedeutet.
    Süß ist übrigens, dass Enki gleichmal mit in die Vorschule darf. So hat es Kane einfacherer und zusammen lernt es sich einfach besser. Die beiden werden sicher ein wunderbares Team bzw. sind es ja gleich von Anfang an gewesen. Ich freu mich schon, was die beiden so zusammen aushecken und ob du mit Kane jetzt eine Wasserratte hast, die Enki alle verschollenen Bälle aus dem gefährlichen Becken holt.

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva

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    • Stephie
      18. Februar 2019 at 10:37

      Ich bin auch so gespannt, wie er in der Pubertät sein wird. einen so leichten Hund hatte ich bisher noch nie – und es ist mir etwas unheimlich. Als ob das dicke Ende noch kommt…
      Und ja, ich hoffe Enki bekommt einen sicheren Schwimmer an die Seite. Das würde mir das Leben immens erleichtern. 😉

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