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Leben mit Hund

Du und ich – Pfote in Hand mit Enki

Zusammenleben mit einem Hund aus dem Tierschutz | thepellmellpack.de

Enki lernt durch Nachahmung

Letztens rannte Enki im Garten immer wieder winselnd zu mir und dann zurück ins Gebüsch. Als ich ihm – endlich – folgte, stupste er mit der Nase einen toten jungen Vogel an. Ich habe den Vogel mit einer Schaufel hochgenommen und quer über den Rasen zur Gartenpforte und in die dahinterliegende Biotonne gebracht.

Ein paar Tage später lief Enki mit ungewohnter Langsamkeit und Vorsicht über den Rasen, etwas nicht Erkennbares in der Schnauze. An der Gartenpforte machte er halt, ließ das Etwas fallen und schaute mich an. Es war wieder ein junger Vogel.
Offensichtlich hatte er sich gemerkt, was mit solchen Funden zu geschehen hat.

 

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Flieg, Enki, flieg!

Solche Erlebnisse haben wir mit Enki häufig. Er schaut sich etwas von uns ab, folgt unserer Führung und traut unserem Urteil.
Zu Beginn hatte er Angst in der Dunkelheit. Mein Mann hat sich eine starke Taschenlampe geschnappt und Enki, der damals noch alle zwei Stunden musste wie ein Welpe, in den bösen dunklen Garten begleitet. Zusammen haben sie mit Licht die Gespenster vertrieben. Es hat eine Weile gedauert bis er mir ebenfalls zutraute, das Grauen aus der Dunkelheit fernzuhalten. Bei Geräuschen bellte er kurz und schaute uns dann an als ob er fragen wollte, ob das nun Freund oder Feind sei. Inzwischen ist der Garten nicht mehr ganz so unheimlich, die üblichen Geräusche von tierischen Waldbewohnern und Autos auf der nahegelegenen Straße kann er einordnen. Nun geht er mutig allein nachts raus.

Als Luna kam hatte sie Angst vor der Treppe in unserem Haus. Enki kannte das, er musste selbst eine Weile mit uns üben. Also machte er mit ihr das Gleiche, was wir mit ihm gemacht haben. Stufe für Stufe ging er neben ihr die Treppe rauf und später wieder runter. Er ist nicht vorweg oder vorbeigerannt. Er blieb ruhig und geduldig neben ihr. Auch wenn sie ein paar Mal auf halber Höhe stehenblieb und sich nicht weiter traute.

Behandlungen, Pillen geben und andere medizinische Dinge schrecken ihn nicht. Am Anfang hatte er viele kleine Wehwehchen, sodass wir ihn von Beginn an in irgendeiner Form verarzten mussten. Sehr schnell nahm er das nicht mehr argwöhnisch hin, sondern empfand es als ganz normal. Wenn ich eine Pille aus der Verpackung nehme und Enki ansehe, setzt er sich und macht schon mal das Maul auf.

Enki braucht Körperkontakt

Enki ist ein absoluter Kampfschmuser. Abends kommt er mit ins Bett und liegt Arm in Arm bei meinem Mann. Auf der Couch rollt er sich gemütlich eng an einem von uns beiden ein und legt die Schnauze auf uns.

Distanzlosigkeit oder Resilienz?

Luna war vor ihrem endgültigen Einzug erstmal eine Probewoche bei uns. Eines Abends wurde sie wieder abgeholt und Enki verstand die Welt nicht mehr. Er hat abends das Futter verweigert und ließ sich auch nicht zu Frühstück überreden. Für einen rumänischen Straßenhund ist das ein ganz große Geste. Er wandte sich vom vollen Futternapf ab, kam zu mir in die Küche und kletterte auf meinen Schoß. Da saß ich nun mit einem 25 kg Kalb auf den Oberschenkeln, das versuchte sich wie ein Chihuahua einzurollen. So ein Verhalten zeigt er häufig, wenn etwas nicht in Ordnung ist oder es ihm nicht gut geht. Nach seiner OP suchte er andauernd Körperkontakt zu Luna, die sich darüber nicht besonders freute, weil er ihr den Plastikkragen immer irgendwo in die Seite rammte.

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Enkis Motivation ist Lob

Enki liebt es gelobt zu werden. Wenn ich Befehle sage, die er kennt (egal, wer Adressat war), kommt er angerannt und springt fast schon in Position. Kennst Du den Start Trek Film von Abrams? Er renn dann wie Chekov über die Enterprise und ruft: „Weg da, ich kann das!“ (den russischen Akzent musst Du Dir denken).

Beim Training ist Enki glücklicher über Bestätigung, Anerkennung und einen liebevollen Klopfer, als über Leckerchen. Die nimmt er manchmal, häufig lässt er sie aber auch fallen und will direkt weitermachen. Wenn ich mit Leckerchen belohnen möchte, muss ich sie ihm direkt ins Maul stopfen. Sonst realisiert er gar nicht, dass da irgendwo gerade ein Leckerchen flog.

Enki ist ein Clown, der denkt er wäre eine Katze

Der Dickmops möchte hoch hinaus. Er versucht immer wieder hartnäckig auf Gegenstände zu klettern bis es ihm endlich gelingt. Gestern Abend balancierte er auf der Rückenlehne unseres Sessels und versuchte die Kluft (gut 60 cm) zu meinem Mann zu überbrücken, der an seinem Schreibtisch saß. Er wollte von der Lehne auf seinen Schoß klettern und gab nicht auf, obwohl er ein paar Mal auf dem Boden landete. Immer wieder rauf auf die Lehne, immer wieder der Versuch rüberzukommen.
Am Ende kam er zumindest mit den Vorderpfoten sicher an. Wedelnd stand er in luftiger Höhe. Die Hinterpfoten auf der Rückenlehne, die Pforderpfoten auf den Oberschenkeln meines Mannes.

Er balanciert auch gerne auf der Rückenlehne unseres Sofas hinter unseren Köpfen längs. Im Wald springt er auf liegende Baumstämme und am tollsten findet er es, wenn da mehrere nacheinander liegen, sodass er von einer zur nächsten hohen Position springen kann. Den Sprung durchs offene Fenster vom Garten in meine Küche hat Enki auch schon geschafft und mich dabei fast zu Tode erschreckt.

Ich habe meinem Mann gestern gesagt, dass ich Enki nicht aus einem Baum holen werde, wenn er da mal wie eine junge Katze festhängen sollte. Mein Mann hat nur gelacht, aber ich traue dem Dickmops wirklich zu, irgendwann das Klettern zu probieren.

Das gemeinsame Leben mit Enki ist sehr nah und sehr körperlich. Reaktionen von ihm sind direkt und deutlich. Und dabei immer eindeutig. Häufig bringt er uns zum Lachen, manchmal auch zum Weinen. Das aber meist aus Rührung.

Enki, Enkman, Dickmops, Schlickschlupf – wir lieben Dich! ♥

Nächste Woche geht es weiter: Pfote in Hand mit Luna

Du und ich – Pfote in Hand mit Luna

Du und ich – Pfote in Hand mit Paula

About Author

Bloggerin mit einem Faible für Fotographie.

4 Comments

  • dreipunktecharlie
    24. August 2016 at 15:57

    Wie wunderbar geschrieben! Ich finde Enki ja sowieso toll, aber nun bin ich endgültig verliebt. Ein balancierender Trekkie, der die Biotonne kennt! 🙂 Man liest wirklich aus jedem Wort Deine Liebe zu ihm und das wirkt ansteckend.

    Reply
    • The Pell-Mell Pack
      24. August 2016 at 16:56

      Und er kann sogar Chekovs Gesichtsausdruck imitieren! Aber tröste Dich, er selbst schaut lieber Bolt und träumt von seinem Hamster in der Kugel. 😉

      Reply
  • Indianermädchen & Wildfang
    3. November 2017 at 19:59

    So wunderbar herrlich euer Drei Teiler! Man möchte Euch gerne mal kennenlernen!
    Liebe Grüße Lizzy

    Reply
    • Stephie
      4. November 2017 at 7:44

      Das kriegen wir bestimmt irgendwann mal hin. 😉
      Enki hätte seinen Spaß mit deinem Wildfang. Und die beiden Damen würden wahrscheinlich kopfschüttelnd daneben stehen.
      Herzliche Grüße
      Stephie

      Reply

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