Distanzlosigkeit oder Resilienz 2

Letztens habe ich in der Dogs einen kleinen Artikel zum Thema Resilienz bei Hunden gelesen und fühlte mich an Enki erinnert. Dass Enki distanzlos ist und ein Drängler, das kann jeder bestätigen, der ihn kennengelernt hat. Aber ist er damit ein resilienter Hund?

Resilienz

Das Wort Resilienz ist immer wieder zu hören. Damit gemeint ist die Widerstandfähigkeit der Psyche.

Der Begriff hat seinen Ursprung im lateinischen Verb „resilire“, was so viel wie „zurückspringen“ oder „abprallen“ bedeutet. Wer also im Zusammenhang mit geistiger Gesundheit das Wort „Resilienz“ verwendet, spricht über die psychische Widerstandsfähigkeit, über die ein Mensch verfügt. Resiliente Menschen sind eher in der Lage, persönliche Rückschläge zu verkraften oder berufliche Krisen konstruktiv zu bewältigen. Und sie gehen aus solchen Tiefs eher gestärkt als geschwächt hervor.

Quelle: FAZ – Resilienz, die unsichtbare Kraft

 

Resilienz bei Hunden -- wie eine stabile Psyche auch in schwierigen Situationen helfen kann | Hund | Resilienz | Verhalten | Tierschutz | thepellmellpack.de

Distanzlosigkeit

Enki ist ein distanzloser Hund, wirklich. Er rennt auf neue Hunde genau so zu wie auf neue Menschen.
Wenn er Dich kennenlernt, schmeißt er Dich gekonnt zu Boden, springt auf Dich drauf und zieht seine Zunge in voller Länge einmal über dein Gesicht. Dabei flüstert er Dir ein kleines „Ich liebe Dich“ ins Ohr.

Uns springt er an, drückt sich an uns, fordert uns zum Spielen auf oder hüpft auf der Couch oder dem Bett einfach auf uns drauf. Wenn er Zuneigung und/oder Aufmerksamkeit bekommt, ist er ein glücklicher Hund.

Das kann sehr anstrengend sein und vor allem fremde Menschen wissen das natürlich nicht zu schätzen, aber es hat uns auch ermöglicht schnell eine sehr enge Bindung zu ihm aufzubauen.

Als er aus Rumänien ankam, konnte er mit Zuneigung oder Kuscheln nichts anfangen. Er konnte es noch nicht mal ertragen, uns anzuschauen. Mühsam habe ich das mit Clickern trainiert und ich werde nie das erste Mal vergessen, als ich direkt in seine Augen schauen durfte. Auf die Gefahr zu vermenschlichen, aber ich sah Trauer, Leid und einen Funken Hoffnung.

Danach brach der Damm und er öffnete sich nicht in Tagen, nein in Stunden. Er suchte Körperkontakt, egal ob abends auf der Couch oder im Bett. Im Schlafzimmer lief er unruhig umher bis mein Mann aufs Bett klopfte und „Hopp“ sagte. Er kuschelte sich der Länge nach mit dem Rücken an meinen Mann und legte den Kopf auf seinen Oberarm. Binnen Sekunden schlief er tief und fest, jeder Muskel seines Körpers entspannt. Seither schläft er nur noch so und wenn mein Mann mal wieder in seinen Augen zu lange fernsieht, läuft er runter ins Wohnzimmer und versucht ihn zu holen.

Unser unsicherer kranker kleiner Rumäne wurde binnen kürzester Zeit zu einem grundfröhlichen Hund, der optimistisch an neue Situationen rangeht. Er ist nicht konsequent dominant, kann auch gut damit leben, sich anderen Hunden zu unterwerfen, nimmt dabei aber nie eine Opferrolle ein.

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Enki, der resiliente Hund

Enki ist für mich das Paradebeispiel eines resilienten Hundes. Resilienz wird in der Psychologie die seelische Widerstandskraft genannt, resiliente Kinder sind anpassungsfähig, belastbar, aufmerksam, tüchtig, gescheit, neugierig und voller Selbstvertrauen. Enki hat in jungen Jahren schon viel erlebt, das Meiste war vermutlich nicht gut. Als Welpe wurde er so verprügelt, dass seine Hüfte zertrümmert ist und sich das Hüftdach nicht ausbilden konnte. Er lebte dann wohl eine Weile als Straßenhund (und muss dabei unfassbare Schmerzen gehabt haben) bevor er mit gut 5 Monaten in die Tötungsstation eines rumänischen Tierheims kam. Auch hier werden die Atmosphäre, die Geräusche und die Gerüche nicht gerade beruhigend gewesen sein.

Diese Erlebnisse haben ihn nicht zu einem ängstlichen oder aggressiven Hund gemacht. Nein, er nimmt alles mit einer happy-go-lucky Mentalität, die ich bewundernswert finde. Das bedeutet aber auch, dass er alles kennenlernen und erkunden will und sich über jede neue Erfahrung freut. Dabei ist er stets nicht nur geistig sondern auch körperlich voll präsent. Verhalten Situationen erst mal in Augenschein zu nehmen und zu prüfen, liegt ihm nicht. Nein, er ertastet mit Pfoten, Schnute und jedem anderen zur Verfügung stehenden Körperteil.

Viele Menschen in unserem Umfeld bedauern uns und empfinden Enki als „zu viel“. Aber wir sind jeden Tag dafür dankbar, dass er das Leben bei den Hörnern packt und mit einem Lächeln auf der Schnute aufsteht. Lieber trainiere ich weiterhin Stunden die Leinenführigkeit mit ihm und bemühe mich ihm beizubringen, dass nicht jeder Zweibeiner gerne angesprungen wird. Notfalls habe ich immer ein paar Gutscheine als Entschuldigung in der Tasche.

Abends liegt er dann wieder neben mir auf der Couch, den Kopf immer irgendwo auf mir abgelegt und den Körper ganz dicht an mich gedrängt. So schläft er tief und fest und grunzt dabei gemütlich vor sich hin.

Gegen nichts auf dieser Welt würde ich diesen Sonnenschein eintauschen.

 

Wie siehst Du das? Ist dein Hund ähnlich oder ganz anders? Und was ist für Dich Resilienz?

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written by: Stephie
Bloggerin, Hundeverrückte, Heilpraktikerin, Homöopathin, Osteopathin, Schokosüchtige, Kaffeejunkie, Foto-Azubi, Wissenschafts-Coach

12 Comments

  • Echt toll geschrieben! Die Umschreibung “happy-go-lucky“ werde ich übernehmen, sie passt auch total auf Charlie. Er ist nicht ganz so selbstbewusst, aber ansonsten ist sein Verhalten dem sehr ähnlich, was Du bei Enki beschreibst. Er springt auch jedem anderen Hund freudig ins Gesicht und ich lasse ihn vorsichtshalber bei Spaziergängern immer sitzen, da ich Liebesbekundungen bei Fremden vermeiden möchte. 😉
    Du hast mich nun zu zwei Dingen angeregt: 1. Ich werde mich mit der Resilienz bei Hunden befassen. 2. Wenn sich die Gelegenheit bietet, sollten Enki und Charlie sich mal kennen lernen! 🙂

      • Ich spendiere das Eis aber lieber Charlie und Lis, wenn wir einen “unfallfreien“ Spaziergang hinter uns haben. Und bei uns klappt das ganz gut, wir sind heute so weit, dass er sich bei Fahrrädern und Kinderwagen freiwillig setzt. Ich hoffe, in 3 bis 5 Jahren macht er es auch bei netten Fußgängern. 😉

  • Interessent. Ich habe noch nie von Resilienz gehört. Aber so wie Du das beschreibst habe ich gleich 2 Exemplare davon. Als erstes musste ich da vor allem an die Fluse denken. Die Fluse heißt eigentlich Mo und ist ein 4 Jahre alter Berner Sennenhund. Und neben distanzlos im Duden muss ein Bild von ihm sein. Ich kenne das meiste von dem was Du beschreibst. Andere Hunde = große Liebe. Menschen = große Liebe. Streicheln – ja bitte, 24 Stunden am Tag. Im Bett schlafen oder couching kommt bei 43 kg Lebendgewicht und seinem Presslufthammer-Gehechel allerdings gar nicht in die Tüte. Stattdessen wird immer und überall die Pfote aufgelegt. Das allein macht ihn nicht zu einem resilienten Hund, vergleiche ich ihn allerdings mit seinem Vorgänger passt es wieder eher. Gizmo war eher der Typ „Der Himmel fällt mir auf den Kopf“ und war definitiv alles andere als psychisch gefestigt. Nunja, und dann hab ich da noch den Terrier. Selbstbewusstsein ist sein Name. Und wenn man ins Auto einsteigen möchte und der Kofferraumdeckel war noch nicht ganz offen und man knallt mit voller Wucht dagegen – nun, dann versucht man es eben gleich noch einmal. Gizmo dagegen wäre die nächsten 2 Jahre nie wieder in die Nähe eines Autos gekommen wenn ihm das passiert wäre 😉 Natürlich sind das alles Peanuts verglichen mit dem, was Dein Genki mitgemacht hat.
    Liebe Grüße
    Susanne

    • Liebe Susanne,
      ich finde es faszinierend, was für komplexe Charaktere unsere Fellnasen doch sind. Und Du hast ja auch gleich ein riesiges Vergleichsrudel. 🙂
      Wenn ich mir deine so anschaue, ist Enki definitiv eine Terrierfluse. Außer er ist nachts im Garten und wir haben vergessen den Strahler anzumachen. Dann würde er sich wohl schlotternd mit Gizmo zusammenkuscheln. Denn wie jeder weiß: In der Dunkelheit lauern Gespenster. 😀 Ist wohl sein Karpartenerbe, du weißt, Vampire und so.
      Herzliche Grüße
      Stephie mit Enki und Luna

  • Sehr interessante Sichtweise auf jeden Fall! Tino ist als mittlerweile halbswegs erwachsener Pinscher, rassebedingt erstmal vorsichtig bei anderen Menschen. Bei Hunden war er zu Anfang fast schon lebensmüde und ist auf jeden Hund total zugeprescht. Das fanden die meisten Hunde nicht witzig und auch mir passte das nicht in den kram. Also haben wir ihm das abtrainiert, einfach auch zu seinem eigenen Schutz, weil es doch dadurch angespannte Situationen entstanden sind. Dabei war nicht hilfreich oft so Sachen zu hören, wenn ich ich für seine rüppelige Begrüßung entschuldigt habe („Die klären das unter sich… meiner macht aber nichts… seien sie doch nicht so streng mit dem, der ist doch noch jung“) Ich möchte nämlich nicht, dass auf uns andere Hunde so zupreschen; denn mittlerweile ist Tino so weit, dass er dann sagt;“Komm hau ab, ich bin an der Leine, alter, zieh ab“ was ich total verstehen kann und ich bin dann der gelakmeierte und die Leute entschuldigen sich nicht und sagen dann immer noch;“Meiner ist ganz lieb, der will nur mal schnuffeln“

    Also ja… ich bin eher auf der anderen Seite. Ich kann es total verstehen, wenn man seinen Hund liebt so wie er ist. Und wenn man selber damit kein problem hat von seinem Hund umgeschmissen zu werden ist es ja auch super. 😉 Allerdings fände ich diese labbi-mäßige-distanzlosigkeit oder resilienz für uns nicht das richtige. Aber zum Glück gibt es so viele unterschiedliche Fellnasen. 😉

    • Da gebe ich Dir absolut Recht. Daher trainieren wir auch mit ihm weiter. Bitte versteh das nicht so, als wenn ich mich bequem darauf ausruhe und zu einer dieser „Der will nur spielen“ werde. Da bekomme ich nämlich selbst gerne allergischen Ausschlag. 🙂 Tinos Verhalten ist definitiv unser Ziel wenn wir einmal groß sind. Enki würdet ihr genau aus dem Grund auch nicht ohne Schleppleine erleben. Auch bei uns muss er lernen, dass das nicht immer witzig ist.
      Es gibt immer zwei Seiten einer Medallie und mich hat der Artikel in der Dogs auf die Sonnenseite aufmerksam gemacht, zu einem Zeitpunkt, als ich nur noch den Schatten sah.
      Herzlich Grüße und einen schönen Abend,
      Stephie mit dem heute mal ganz entspannt im Körbchen liegenden Enki

      • Hehe ja Tino ist auch bei manchen Hunden die er schon lange kennt auch ungeduldig. Da versuche ich dann die Distanz an der Leine mit ihm gemeinsam zu verringern und ihn dann erst zum Hund zu lassen. So lernt er; ja ich darf hallo sagen aber nicht mit nem 100m Sprint vorher und nur wenn ich kein Fiepkonzert gebe. Sonst sage ich auch schon mal „Schade“ und Spielstunde fällt aus und es geht nach Hause wenn er zu aufgedreht ist. Dass hat bei uns eigentlich am meisten gebracht; Wer freidreht hat keinen schönen Spaziergang verdient und es geht kommentarlos nach Hause… egal wie weit die Anfahrt war. Ohne Strafe, aber eben auch ohne Training und Aufmerksamkeit.

          • Hehe ja… Es ist halt ein Trainingsansatz, der eher davon ausgeht, dass man dem Hunden Vorlagen zum Verhalten gibt und nicht versucht etwas anzutrainieren. Heißt; Du benimmst dich nicht, dann geh ich nach Hause und du damit auch. Wenn er sich toll benimmt bekommt er im gegensatz aber auch richtige Anerkennung. Finde ich persönlich in meinem Herzen viel besser, als dass ich meinem Hund versuche etwas durch Konditionierung wie einem Zirkusseelöwen aufzustülpen und er macht es am Ende nicht aus Reflex sondern nur weil er abwägt, was es dafür geben könnte.

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