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Canicross

Camp Canis, Klappe die Zweite – von Licht und Schatten

In den letzten Wochen habe ich überlegt, ob ich überhaupt noch einen zweiten Beitrag zu Camp Canis schreibe. Denn ich habe es nicht gefühlt, diese übersprudelnde Euphorie vom ersten Mal. Und ich bin immer noch traurig, dass mein Glücksgefühl Sonntagabend wie weggeblasen war. Warum das so war? Später mehr.

Dieses Wochenende kamen dann die Fotos. Und als ich Enki und mich so sah, kehrte ein wenig von meinem Samstagsgefühl zurück. Den am Samstag war es wunderbar. Mit Enki, mit unserem Team, ein perfekter Tag. Aber der Reihe nach…

Wenn es passt, dann passt es

Freitagnachmittag sind wir angereist und haben nach und nach die ersten Teammitglieder kennengelernt. Enki hatte einen entspannten ersten Spaziergang mit Kalle von Schätersky. Da beide etwas speziell sind was andere Rüden angeht, war es uns wichtig, nur die zwei erstmal zusammenzubringen.

Danach haben Enki und ich den Check-In erstmal aufgemischt. Enki war vor lauter Hunden so auf Kralle, dass er sich nur mühsam bis gar nicht beruhigen ließ. Wurde er ruhiger, konnten wir wieder einen Schritt in der Schlange aufrücken und es ging von vorne los. Als wäre mit einem weiteren Schritt auf einmal wieder alles neu, die ganzen Hunde vor einer Sekunde noch nicht dagewesen.

Abends saßen wir dann noch mit fast dem gesamten Team vor unserem Hotel, tranken Wein und klönten über Gott und die Welt. Mit dabei waren Steffi von Cocker, Lifestyle & More, Nora von Schätersky und Lizzy von Behütet und Geliebt. Wir waren fast komplett. Denn Sandra und Charlie von Dreipunktecharlie mussten kurzfristig absagen, da Charlie sich am Auge verletzt hatte. Für sie würde Lizzys Mann einspringen, der sich wegen beruflicher Termine erst mitten in der Nacht auf den Weg machen konnte. Und Marion mit Momo fehlte. Denn die Arme saß Stunde um Stunde in einem riesigen Stau fest, ohne auch nur einen Zentimeter vorwärts zu kommen.

Aber auch ohne die fehlenden Mitglieder war schon Freitagabend klar, das ist ein wunderbares Team, wir werden viel Spaß haben.

Der Spaß kann losgehen

Samstagmorgen waren wir dann endlich komplett und drehten noch mal eine Runde mit allen Hunden. Ich bin meinen Teammitgliedern so dankbar, dass sie Enki und mir die Möglichkeit gegeben haben nach und nach den Abstand zu verkleinern. War es zu Beginn des Spazierganges ein dauerndes Gebell von Enki, so war es am Ende nur noch ein vereinzeltes Wuff. So langsam schien er zu verstehen, dass Momo ihn nicht umbringt, Stimpy keine Gefahr ist und die Hütehundmädchen eigentlich Potenzial zur hündischen Ehe haben. Und ja Lizzy, ich habe wohl gesehen, wie erleichtert du darüber warst, dass Hazel so unfassbar normal und sozialkompatibel im Gegensatz zu Enki wirkte. Gern geschehen. 😉

Nach dem Spaziergang haben wir Enkis Nerven noch eine Stunde im Start- und Fressbereich von Camp Canis strapaziert, um selbst zu frühstücken. Und dort habe ich das erste Mal bewusst seinen Wohlfühlabstand bemerkt. Die anderen Hunde interessierten ihn überhaupt nicht, bis sich ein paar Besitzer mit ihren Hunden unter 3 Metern in „seinen“ Radius bewegten. Sofort ging es los, Knurren, Bellen, Knurren, Bellen.

Back on track

Mittags dann endlich der ersehnte Start. Wir waren fast drei Stunden auf dem Trail und haben am Ende eher 8,5 statt 5 Kilometer gemacht. Wobei wir immer wieder Gehpausen eingestreut haben und leider am ersten großen Hindernis fast eine Stunde warten mussten bis wir dran waren.

Enki hat die Hindernisse mit Bravour genommen. Im Gegensatz zum März hat er kein einziges ausgelassen. Ich war so Hin und Weg wie sehr er mir auf dem Trail vertraute und sich kopfüber mit mir in jedes Abenteuer gestürzt hat.

Es hat so viel Spaß mit allen gemacht, dass ich mich jetzt schon auf März und Hoope freue. Wenn es allerdings noch mal Wingst im nächsten Jahr wird, dann die 10 oder 15 Kilometer. Denn einige Hindernisse wie den Wellnesstümpel oder das Trapez habe ich auf der kurzen Strecke schon vermisst. Und wie sagte Lizzy so schön: „Da bekommt man einfach mehr für sein Geld“.

Nach dem Lauf saßen wir noch eine Weile zusammen, haben gemeinsam unsere Euphorie geteilt und einen wunderschönen Tag ausklingen lassen.

Camp Canis Tag 2

Kurzentschlossen habe ich mich vor dem Event noch als freiwillige Helferin für Sonntag gemeldet. So kurzentschlossen, dass ich unsere Ferienwohnung leider nicht verlängern konnte und mich Sonntagmorgen um 5 Uhr von Zuhause das zweite Mal auf den Weg nach Wingst machen musste. Aber gut, selbst schuld. Und ich freute mich auf einen Tag hinter den Kulissen.

Nach einer Einweisung, der Verteilung der Stationen und einer wilden Fahrt zum Hindernis kam ich an meinem Einsatzort als Streckenposten an. Leider allein, denn die zweite Helferin war nicht erschienen. Und so stand ich an einem Hindernis mitten im Wald, das nur von den Läufern der 10 und 15 Kilometer genommen wurde. Es war klar, dass das beträchtlich weniger Teams sein würden.

Nörgler und Langeweile

Allerdings kam von 9 Uhr bis 12 Uhr erstmal niemand. Kein einziges Team. Ich war kurz vor dem Ziel und die früh gestarteten Teams brauchten einiges an Zeit, um überhaupt bei mir anzukommen. Meine steigende Langeweile da so ganz allein im Wald neben einer Kletterwand wurde nur von sonntäglichen Spaziergängern unterbrochen. Einige waren nett und aufgeschlossen, wollten wissen, was wir da eigentlich machen. Aber eine große Anzahl älteren Semesters beschimpfte mich immer wieder, was wir in „ihrem“ Wald verloren hätten. Dass es eine Frechheit sei, dass wir überall so viel abgesperrt hätten und diesen Mist (die Hindernisse) da in ihren Wald stellen würden.

Camp Canis Wingst 2020 steht schon fest und so kramte ich die PR-Frau in mir raus. Versuchte jedem Nörgler wieder und wieder klar zu machen, wie toll das wäre. Was für ein Spaß und wie unglaublich spannend für die Mensch-Hund-Teams. Realistisch betrachtet hätte ich mir denken können, dass auch das Teil der Arbeit ist. Aber an dem Sonntag haben mich die ersten Wuttiraden wie aus dem Nichts getroffen und ich merkte, wie meine Laune sackte.

Nur anmerken lassen durfte ich mir das nicht. Denn irgendwann später kamen die ersten Teams, die genau wie ich einen Tag vorher einfach nur Spaß, die Party ihres Lebens haben wollten. Auch von denen nörgelten ein paar, weil die Strecke länger als angegeben, eine Versorgungsstation nicht besetzt war, aber die meisten hatten einfach nur Spaß. Also schlucken, lächeln, winken, motivieren – ganz der Profi, den ich sonst in meinem Brotjob gebe.

Parallel dazu setzte irgendwann der Regen ein, auf den ich nicht vorbereitet war. Ich doofe Nuss hatte Sonntag in aller Herrgottsfrühe nämlich nicht noch mal die Wetter-App konsultiert. Eingestellt auf die sonnigen 20 Grad vom Vortag fror ich also immer mehr durch und sehnte nur noch das Ende und meine zwei Stunden Heimfahrt bei aufgerissener Heizung im Auto herbei.

Ein nach wie vor unfassbarer Moment

Und dann kam das Schlimmste dieses so schon anstrengenden und wenig lustigen Tages. In der Ferne hörte ich einen Hund schreien. Nicht bellen oder kläffen, nein das waren Schreie des Schmerzes. Die Geräusche tauchten immer wieder auf, ganz klar näherkommend. Ich ging immer wieder an eine Kreuzung der Waldwege, versuchte zu erkennen, was los ist. Hat eines unserer Teams Probleme? Einen verletzten Hund? War es vielleicht gar kein Hund, sondern angefahrenes Wild? In Gedanken ging ich schon alle Notfallmöglichkeiten durch als drei Männer und zwei Frauen mit zwei Schäferhunden in Sicht kamen.

Der eine Schäferhund schien alt zu sein, hatte sichtbar HD, ging gekrümmt und X-beinig mit Schmerzen an einer extrem kurzen Leine neben einer Tussi. Anfang 60, blond gefärbt, überschminkt, Perlenkette und chanelartiges Blazerchen im Wald. Und jedes Mal, wenn der Hund an der viel zu kurz gefassten Leine auch nur etwas zog (zur Seite, er wollte Abstand von ihr), schrie sie ihn an. Nach dreimal Schreien war es ihr zu viel und sie schlug den Hund und trat ihm in den Rippenkasten. Einer der Männer schlug parallel gegen seinen Kopf. Und da war er, der Schmerzschrei, den ich schon aus der Ferne gehört hatte. Der Hund krümmte sich am Boden liegend zusammen, wurde an der Leine wieder hochgerissen. Ich wurde unfassbar wütend, sprach die Gruppe an und wurde postwendend von den Männern bedroht, ob ich auch Prügel wolle, ich solle meine verdammte Schnauze halten. Der Hund müsse hart geführt werden. Sie gingen ihres Weges, bogen ab und waren schnell außer Sicht. Aber den Hund hörte ich noch ein paar Mal. Heulend saß ich im Wald, wusste nicht was ich tun sollte, noch hätte tun können. Filmen und Anzeige erstatten? Ja, vielleicht. Aber nachdem mich die Männer so bedroht haben, traute ich mich nicht, noch mein Handy zu zücken. Ich war da allein, kein anderer Mensch weit und breit.

Kurz nachdem diese unfassbaren Monster, die sich Menschen schimpfen, weg waren, kam das nächste Team in Sicht. Ich versuchte zu schlucken, ein Lächeln aufzusetzen. Das Team wollte schließlich nur Spaß. Und dann erkannte ich die näherkommenden Läuferinnen. Liz, Nicole, Nadine, Christin und noch ein paar andere bekannte Gesichter. Es sprudelte aus mir heraus, ich erzählte, was kurz vorher geschehen war. Und ich bin euch so unfassbar dankbar, dass ihr für einen kurzen Moment meine Trauer und Wut geteilt habt, mich einfach nur in den Arm genommen habt.

Ich sitze hier, schreibe das und weine schon wieder um diesen Hund. Ich würde so gerne irgendetwas tun, ihm weitere Qual und Schmerzen ersparen und weiß nicht wie. Wenn also jemand Schäferhundhalter aus Wingst kennt, auf die diese Beschreibung passt, bitte bitte melden. Vielleicht fällt uns gemeinsam etwas ein.

Was blieb war Leere

Auf dem Weg nach Hause merkte ich, wie ich innerlich nur noch leer war. Ich wollte Zuhause kaum reden, konnte mich nicht mehr über Enkis und mein Erlebnis am Samstag freuen. Tage hielt das an. Nicht nur wegen dieses furchtbaren Vorfalls, sondern auch wegen der 8 Stunden, die ich da größtenteils allein im Wald rumstand. Das war anstrengender als jeder Lauf. Ich ziehe meinen Hut vor all den fleißigen Helfern, werde es selbst aber sich nicht noch mal machen. Denn am Ende fühlte ich mich in den letzten zwei Wochen traurig und um meine Euphorie betrogen.

Zwei Dinge möchte ich hier noch mal festhalten. Das Orga-Team von Camp Canis ist unglaublich engagiert und kann so gar nichts dafür, wie ich mich an diesem Sonntag fühlte. Und ein Großteil lag an meinem Posten an sich. Wenig Teams, allein im Wald. Ich sprach am Ende noch mit anderen Helfern, die 500 Meter weiter gemeinsam eine größere Station betreuten und die hatten auch als Helfer ihren Spaß.

Vorfreude auf das was kommt

Mit denn Fotos allerdings kam meine Freude zurück. Ich war heute gleich wieder mit Enki im Regen laufen und die Tickets für Hoope und Usedom 2020 sind gebucht. Wingst dann, wenn ich noch ein tolles Team für die 10 oder 15 Kilometer finde.

Ist da draußen wer, der Lust hat mit uns zu laufen?

Stichworte : #campcanis#canicross
Stephanie Rose

Die Autorin Stephanie Rose

Bloggerin mit einem Faible für Fotographie.

7 Kommentare

  1. Hallo!
    Sonntag ist ja mal so richtig doof gelaufen. Das tut mir total leid für euch. Da kann man nur den eigenen Hund erstmal ordentlich kuscheln und sich damit trösten.
    Vielleicht kann man in den Tierheimen oder bei den Ärzten der Region mal anfragen, ob da schon was aufgefallen sei? Oder in Hundeschulen? Großen Erfolg wird man damit nur wahrscheinlich eh nicht haben. Die Sorte Mensch lernt ja auch nicht dazu.
    Wenn mir nächstes Jahr zeitlich passt, wären Lotti und ich gerne auch mit dabei! In der Wingst waren wir noch nicht 🙂
    Liebe Grüße an Enki und lass dich nicht unterkriegen,
    Paula

    1. Liebe Paula,

      ja, Tierheim finde ich auch eine gute Idee. Oder mal sehen, ob die vielleicht einen Schäferhundverein dort haben.
      Und ansonsten, ich habe Dich ja schon ins Team geschubst. Enki und ich freuen uns!!!

      Herzliche Grüße
      Stephie

  2. Oh, ich finde es so schade, dass du das so erleben musstest. Das Erlebnis mit dem Schäferhund ist absolut furchtbar. Ich habe schon fast beim Lesen geweint. Dass die Passanten so doof waren, ist auch sehr schade, aber ich glaube eher die Ausnahme. Uns sind auf den 5km einige Passanten begegnet und die fanden das alle ganz toll und haben einige Fragen gestellt. Also Kopf hoch. Wenn sich jemand wegen des Schäferhundes meldet und ihr irgendwie Hilfe braucht, sag Bescheid.

    Liebe Grüße
    Mareike & Loki von LokisLife.de

    1. Liebe Mareike,

      das war echt die Ecke. Wir haben da wohl mit Flatterband einen „Rentner-Highway“ abgesperrt, wo die am Sonntag immer ihren Verdauungsspaziergang machen. Und die waren echt schlecht drauf. Alls, das jünger als 65 war, war total begeistert von unserem Event. 😉

      Herzliche Grüße
      Stephie

  3. Liebe Stephie,

    erstmal freut es mich zu lesen, dass du am Samstag mit den anderen Schlamm-Rabauken unglaublich viel Spaß beim Camp Canis und eurem Lauf hattest. Umso schlimmer ist es zu lesen, was dir am Sonntag widerfahren ist, ganz besonders, was den Schäferhund angeht. Ehrlich gesagt habe ich gerade im Büro unglaubliche Gänsehaut beim Lesen des Artikels bekommen und bin unfassbar wütend geworden – ich hoffe so so sehr, dass irgendjemand weiß, um was für Menschen es sich dort gehandelt hat und tatsächlich auch Anzeige erstattet …

    Lass dich auf jeden Fall nicht unterkriegen und freu dich – wie du es ja auch tust – auf Usedom und Hoope 2020! 🙂

    Liebe Grüße
    Regina von AGILA mit ihren zwei Beagle-Buben Pitty & Quincy

    1. Liebe Regina,

      das war wirklich furchtbar. Ich werde das seit dem Sonntag nicht los. Aber ein wenig besser wird es, seit ich es hier offen geschrieben habe. Das hilft beim Verarbeiten und ein paar gute Ideen, was ich vielleicht noch tun kann, kamen schon.

      Herzliche Grüße
      Stephie

  4. Liebe Stephie!

    Erstmal Respekt vor der Leistung und deinem Engagement! Ich finde es großartig, dass ihr zwei das im Team so toll gerockt hat. Es ist endlos schade, dass dir dein tolles Erlebnis von diesen grauenhaften Monstern so verdorben wurde. Das beste wäre tatsächlich eine Anzeige gegen Unbekannt wegen Tierquälerei. Natürlich ist die Chance gering, dass etwas passiert, aber es bleibt immer noch die Möglichkeit, dass diese Personen bereits bekannt sind und mit deiner Meldung das berühmte Fass zum Überlaufen gebracht werden kann.
    Fühl dich ganz doll gedrückt. So ein Lauf würde mich ja tierisch reizen, aber weder sind mein Hund geeignet dafür, noch bin ich fit für so ein Event.

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva

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