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Canicross / Hundetraining

Camp Canis – kopfüber in den Schlamm [Anzeige]

Camp Canis Hoope 2019

Vor einem halben Jahr war da dieser Tag des Wahnsinns, an dem ich Ja sagte. Ja zu einem großen Abenteuer. Dem Start bei Camp Canis, einem Canicross Fun Event, das selbst mit #weilwirmatschlieben wirbt.

Ich mochte keinen Matsch, ich konnte keinen Kilometer ohne Sauerstoffzelt laufen und meine hündische Partnerin für dieses Abenteuer, Luna, verstarb vorher überraschend, sodass Ersatzmann Enki schnell ins Training und mit an den Start musste.

Ein halbes Jahr, in dem die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen sollten, aber die Realität uns immer wieder einen Strich durch die Rechnung machte.

Vortreffen mit dem Team

3 Wochen vor dem Start traf sich unser bunter Flickenteppich aus mir bisher unbekannten anderen Läuferinnen und Hunden bei der wahnsinnigen Initiatorin unseres Abenteuers. Zissi von La Piba Rosa hatte wie schon im Jahr zuvor blauäugige Anfänger ohne den Mut, es auf eigene Faust zu probieren, gerufen und wir waren ihrem Ruf gefolgt.

Die Frauen waren wunderbar und mir wurde schnell klar, warum wir alle Zissi in den Matsch folgten. So viel Energie und Fähigkeit, andere zu begeistern. So viel Herzlichkeit und Naturtalent in Sachen Motivation. Bei diesem Treffen gab sie uns schnell das Gefühl eine Familie zu sein und es mit ihr als Teamleaderin schaffen zu können.

Camp Canis Hoope 2019

Steine im Weg

Es zeigte sich aber auch ein Problem, das ich wohl ahnte, aber immer wieder verdrängte. Enki war erwachsen geworden und nicht mehr mein fröhlicher Junghund, der offen auf andere zugeht. Menschen sind nach wie vor kein Problem. Aber bei Hunden hatte er inzwischen ganz eigene Ansichten, die er lautstark verkündete und sich bei Gelegenheit auch für seine Überzeugungen prügelte.

Und so türmten sich die Steine im Magen vor dem Start. Wir waren zusammen nur einmal 4,5 Kilometer gelaufen, die 5 standen noch aus.
Enki würde beim Check-In auf dem Gelände viele andere Hunde treffen – uns blamieren und mir mal wieder einen Wirbel ausrenken.
Hindernisse hatten wir kaum geübt und mein Nein zu Matsch war Enkis Nein zu Wasser.

Die Ruhe vor dem Sturm

Der Samstag kam und kleinere Steine wie ein kaputtes Auto und die Frage, ob Enkis Impfstatus wirklich genügen würde, konnte ich vorher ausräumen. Da saßen wir nun, im Auto auf dem Weg nach Hoope. Mit dabei Kane und der Lieblingsmann als moralische Unterstützung. Und trotz all der Steine im Magen merkte ich, wie sich Vorfreude und positive Aufregung breit machten. Trotz aller Sorgen ahnte ich, das wird etwas ganz Großes – unser erstes gemeinsames Abenteuer.

Wir kamen bei unserer Unterkunft, einem süßen ausgebauten Bauwagen, an und nach einer Stunde Entspannung und einem großen Spaziergang trafen wir uns mit 10 anderen zu einem gemeinsamen Abendessen. Einige von Ihnen waren schon am Samstag gelaufen und ich sah das Wunder, das Strahlen in ihren Gesichtern, lauschte ihren Geschichten vom Trail. So viele tolle Menschen, einer sympathischer als der andere. Und meine Vorfreude stieg noch weiter.

Camp Canis Hoope 2019

Der frühe Vogel kann uns mal

Sonntagmorgen wurde es dann richtig früh. Um 8:30 sollten wir beim Check-In sein. Aber dank Zeitumstellung war das gefühlte 7:30. Vorher Frühstück für die Hunde und ein langer Spaziergang, bei dem ich nur halb wach war. Dann 30 Minuten Kaffeebecher-Meditation, unsere Sachen zusammenpacken und ab zum Hoope Park.

Enki meisterte den Check-In erstaunlich gut, es wurde nur 10-20 Mal in Richtung anderer Hunde geknurrt, gefressen wurde keiner. Zum Glück hatte ich sein Frühstück nicht vergessen und er war satt. Sein Gangbild wurde von der anwesenden Tierärztin und Physiotherapeutin gelobt. Angesichts seiner kaputten Hüfte freute mich das besonders. Bis zum Start durfte er dann jedoch entspannt im Wagen warten, während wir mit dem Rest des Teams Kaffee tranken – Kane immer glücklich mitten drin im Trubel.

Ab in den Schlamm

Und dann war es so weit. Aufwärmen in der Startzone, etwas Geplänkel mit dem Moderator, ein schnelles Teamfoto und schon fiel der Startschuss, es ging auf den Trail.

Ein paar Meter nach dem Start kam das erste Hindernis und Enki war voll bei der Sache. Er hüpfte mit mir über Heuballen, kletterte unter anderen durch. Und gab nach dem Hindernis Vollgas, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Er hüpfte weiter über Hindernisse, lief mit mir über gefährliche Drahtbrücken, ließ sich auf Hängebrücken und Hängematten heben und sprintete durch Pfützen und Matschlöcher. Die Berge hinauf zog er so, dass ich die bereit liegenden Seile kaum brauchte. Ging es bergab, war er langsam und sah sich immer wieder nach mir um.

Als wir an einen See kamen, riss mich Zissis Energie mit und ich schwamm, mein wasserscheuer Hund neben mir. Die Freude darüber ließ mich glatt vergessen, dass mir die Kälte des Sees kurzzeitig die Luft zum Atmen geraubt hatte.

Immer wieder jubelte ich über diesen unglaublichen Hund, der mich mit seiner Kraft und Energie ansteckte. Und der während des gesamten Trails kaum aufhörte mit dem Schwanz zu wedeln.

Nur zweimal zeigte er mir die Mittelkralle. Einmal an einem weiteren See, den wir auf drei in Reihe hängenden Schlauchbooten überqueren sollten und an einem Tümpel, auf dessen Boden nicht Schlamm, sondern Findlinge waren. An beiden Hindernissen mussten wir uns am Rand vorbei schummeln, denn Enki artikulierte deutlich, dass er da nicht mitspielt. Und das musste er auch nicht, denn es sollte für uns beide immer Spaß bleiben.

Camp Canis Hoope 2019

Wenn Aufgeben keine Option ist

Kurz vor dem Ziel, nachdem wir beide mit Bravour die Rutsche gemeistert hatten, hörte für mich der Spaß allerdings auf. Eine nicht enden wollende Strecke aus Schlamm, in dem ich teilweise bis zur Mitte des Unterschenkels versank, darüber Wasser, das mir bis zur Hüfte reichte. Mühsam setze ich einen Fuß vor den anderen, merkte, wie der Schlamm sich an meinem Bein festsog und ich schon befürchtete meine Schuhe zu verlieren. So uneben war diese Schlammstrecke, dass ich mehr als einmal das Gleichgewicht verlor und mit dem Gesicht voran im Schlamm landete.

Enki tänzelte während dessen an einem für Menschenfüße zu schmalen Rand entlang und schien mir immer wieder das zweite Motto von Camp Canis zuzurufen: Wenn Aufgeben keine Option ist!

Im Ziel angekommen fiel ich auf den Boden, Enki wälzte sich neben mir genüsslich im Sand und strahlte mich an. Noch mal, noch mal war deutlich in seinem Gesicht zu lesen. Ich war noch nie so dreckig und noch nie so glücklich.

Trotz aller Euphorie machte sich dann schnell die Kälte breit und ich sprintete – ok, kroch – mit Enki zum Auto. Eine Thermoskanne mit warmem Wasser und zwei Waschlappen befreiten uns vom Schlamm und gaben meinen blauen Zehen wieder etwas Farbe.

Enki machte es sich nach einem zweiten Frühstück im Bademantel im Auto gemütlich und schlief sofort ein. Ich ging zurück zu den anderen, ließ mich vom Lieblingsmann mit Pommes und Kakao versorgen und missbrauchte das Kleinteil als Wärmflasche, das mich immer wieder empört ansah und nicht verstand, warum es vom Rand aus zusehen musste.

Ein paar Stunden genossen wir noch die gemeinsame Zeit mit den anderen Läuferinnen, schauten Freunden beim Zieleinlauf zu und ließen uns den Wind um die Nase pusten, bevor wir uns erschöpft auf den Heimweg machten.

Camp Canis Hoope 2019

Noch mal!

Im Auto wurde mir klar, ich habe den besten Boom-Chicka-Wau[1] der Welt. Mit ihm ist alles möglich, kein Hindernis zu hoch, kein Weg zu weit, Aufgeben niemals eine Option. Und mir wurde klar, ich war nach einem Mal süchtig. Ich drehte mich um und schaute nach hinten. Enki öffnete die Augen. Und da war es, dieses fette Grinsen, das sich von meinem auf seinem Gesicht spiegelte. Wir haben das Ding gerockt und wir werden es wieder rocken. In nur knappen 5,5 Monaten. Denn nach Camp Canis ist vor Camp Canis.

Ein dickes Dankeschön!

Danke an Zissi von La Piba Rosa, dass sie uns immer wieder motiviert und bis zum Ziel mitgerissen hat. Ohne Dich hätte ich uns dieses Abenteuer nie zugetraut.

Danke an mein Team, die Canes Insani. Ihr seid wirklich verrückt. Nadine mit Bona, Paula mit Lotta, Nadine mit Finley, Bine mit Leo und Zissi diesmal mit Ali statt Rosa.

Danke an Tales & Tails, die uns tolle Team-Shirts und schmackhafte Leckerchen zur Verfügung gestellt haben.

Und last but not least, Danke an Melanie und ihre fleißigen Helfer von Camp Canis, die dieses Abenteuer ermöglichen. Wir freuen uns auf Wingst!

 


[1] Frei nach einem amerikanischen Kindersong:

Stephie: I said a boom chicka wau

Enki: I said a boom chicka wau

Stephie: I said a boom chicka wau

Enki: I said a boom chicka wau

Stephie: I said a boom chicka rocka chicka rocka chicka wau

Enki: I said a boom chicka rocka chicka rocka chicka wau

 

Stephie: Oh yeah

Enki: Oh yeah

Stephie: Alright

Enki: Alright

Stephie: One more time

Enki: One more time

 

… beliebig lang wiederholen, bis Hund zufrieden grinst. Taugt auch gut als Laufsong im Seals Style.

About Author

Bloggerin mit einem Faible für Fotographie.

6 Comments

  • Sandra und Shiva
    11. April 2019 at 8:51

    Wahnsinn! Einfach nur Wahnsinn! Ich würde es auch gerne mal probieren, aber dazu müssen erst noch ein paar Grämmchen von den Hüften. Dann… ja, dann… wälzen wir uns im Matsch. Ich bräuchte dann nur einen Hund. Shiva geht nämlich keinen Schritt, wenn sie unsicher wird.

    Flauschige Grüße
    Sandra und Sensibelchen Shiva

    Reply
    • Stephie
      11. April 2019 at 9:24

      Vielleicht wird das ja nächstes Jahr was. 🙂
      Und zum Thema Unsicherheit: Ich habe schon von so vielen gehört, dass sie nicht glaubten, dass ihr unsicherer Hund das mitmacht. Sie haben es probiert und siehe da, die Teamdynamik hat die unsicheren Hunde mitgerissen und ihnen noch einen extremen Schub für das Selbstbewusstsein gegeben. 😉
      Herzliche Grüße
      Stephie

      Reply
  • Janina und McFly
    11. April 2019 at 14:32

    Was für ein wunderbarer Artikel liebe Stephie. Ich hab tatsächlich ein paar Tränchen in den Augen, weil ich sofort wieder das Gefühl spüren kann was du beschreibst. Wir freuen uns auf den Lauf im September und rocken jetzt erstmal Kiel. Beste Grüße Janina&McFly (der Bagalut 😜)

    Reply
    • Stephie
      11. April 2019 at 14:59

      Hey ihr zwei Bagaluten (denn wenn Hund einer ist, kann Frauchen ja nur auch eine sein),

      ich wünsche euch viel Spaß in Kiel, vielleicht nächstes Jahr mit uns. 😉
      Und im September sehen wir uns bestimmt.

      Herzliche Grüße
      Stephie

      Reply
  • Schätersky
    11. April 2019 at 21:11

    Was für ein großartiger Beitrag! Und ihr seht auf den Bildern so fröhlich und verbunden miteinander aus, dass ich den September kaum abwarten kann. 🙂

    Herzliche Grüße,
    Nora

    Reply
  • Dani
    13. April 2019 at 22:30

    Ihr seht beide so glücklich aus 🙂 Ich freue mich, dass ihr trotz deiner Bedenken so viel Spaß hattet 😀

    Liebste Grüße
    Dani mit Inuki und Skadi

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